Polizisten wehren sich gegen Kot-Bomben. | Bildquelle: dpa

Proteste in Venezuela Kot-Geschosse gegen Polizisten

Stand: 11.05.2017 08:19 Uhr

Chávez-Büsten werden vom Sockel geholt, Polizisten bei Protesten mit Fäkalien beworfen - die Lage in Venezuela wird immer chaotischer. Erneut kamen zwei Demonstranten ums Leben. Neben der politischen Krise wird die Versorgungslage immer dramatischer.

Bei gewaltsamen Protesten in Venezuela gegen Präsident Nicolás Maduro sind zwei weitere Demonstranten getötet worden. Die Zahl der Opfer stieg damit auf 39 seit Anfang April. Wie die Behörden mitteilten, wurde ein 26-Jähriger bei einer Oppositionskundgebung in Caracas erschossen.

Zuletzt hatte schon der Tod eines jungen Musikers für Empörung gesorgt. Bei der Demonstration wurden mehr als 80 Menschen verletzt. Zudem erlag ein 32-Jähriger in Mérida seinen Verletzungen, die er beim Protest am Montag erlitten hatte.

Die Proteste eskalieren zunehmend. Junge Gegner der Regierung werfen seit Tagen mitunter auch mit Fäkalien, Exkrementen und Urin gefüllte Beutel und Flaschen auf Soldaten und Polizisten der Nationalgarde, die wiederum mit Tränengas versuchen, die Demonstranten zurückzudrängen. Auch mehrere Büsten von Hugo Chávez wurden vom Sockel geholt und zerstört. Der 2013 verstorbene Präsident hatte das Projekt eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" begründet.

Demonstranten "feuern" Kot-Bomben gegen Polizisten. | Bildquelle: AP
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Demonstranten zielen mit Fäkalien-gefüllten Flaschen und Beuteln auf Polizisten.

Militär soll mit Maduro brechen

Von vielen Seiten wächst der Druck auf Maduro, da ein Bürgerkrieg drohen könnte. Die Toten sind überwiegend Anhänger der Opposition. Aber auch Sicherheitskräfte und Anhänger der Sozialisten kamen ums Leben.

Die Opposition fordert das Militär zum Bruch mit Maduro auf. Die Demonstranten sehen Venezuela unter dem Sozialisten auf dem Weg in die Diktatur - sie fordern rasche Neuwahlen und die Freilassung von Gefangenen. Maduro wiederum wirft der Opposition vor, mit Hilfe der US-Regierung von Präsident Donald Trump einen Putsch vorzubereiten.

Sterblichkeit von Babys und Müttern stark gestiegen

Die Lage im Land ist prekär: Die politische Krise wird vom wirtschaftlichen Engpass noch angeheizt. Als der Ölpreis noch hoch war, konnten im Land mit den größten Ölreserven Millionen Menschen aus der bitteren Armut geholt werden. Heute steht das Land nach Jahren der Misswirtschaft vor dem Ruin, Lebensmittel und Medikamente fehlen.

Die schwere Versorgungskrise in Venezuela hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung: Die Zahl der Säuglinge, die vor Erreichen des ersten Lebensjahrs starben, sei im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf knapp 11.500 gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Zahl der Mütter, die bei der Geburt starben, sei um zwei Drittel auf 756 gewachsen.

Auch die Tropenkrankheit Malaria, die vor wenigen Jahren in Venezuela als weitgehend ausgerottet galt, setzt den Menschen immer mehr zu: 2016 wurden dem Ministerium zufolge 240.000 Fälle gemeldet, das waren 76 Prozent mehr als im Vorjahr. In 13 der 24 Bundesstaaten habe die Malaria epidemische Ausmaße angenommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Mai 2017 um 04:56 Uhr.

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