Protestzug von Regierungsgegnern in Caracas | Bildquelle: dpa

Machtkampf in Caracas Venezuela tritt aus Staatenbund OAS aus

Stand: 27.04.2017 01:57 Uhr

Weitere Eskalation im Machtkampf in Venezuela: Das Land will sich aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zurückziehen - auf Anweisung von Präsident Maduro. OAS-Generalsekretär Almagro hatte wiederholt Kritik an Maduro geübt. In Caracas gab es erneut Massenproteste.

Venezuelas Regierung hat den Rückzug des Landes aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angekündigt. Ihr Land werde der OAS ein entsprechendes Beschwerdeschreiben vorlegen, das den 24 Monate dauernden Austrittsprozess aus dem Staatenbund einleiten werde, sagte die venezolanische Außenministerin Delcy Rodríguez in einer Fernsehansprache.

"Für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes"

Venezuelas Außenministerin Delcy Rodríguez | Bildquelle: dpa
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Außenministerin Rodríguez verkündete den Rückzug im TV.

Die Schritte der OAS dienten dazu, einzugreifen und das Land in Arrest zu nehmen, sagte Rodríguez. Das werde jedoch nie passieren. Venezuela ziehe sich zurück, "für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes", erklärte sie. Der Rückzug erfolgte nach ihren Angaben auf Anweisung von Präsident Nicolás Maduro.

Hintergrund ist die wiederholte Kritik der OAS an Venezuelas sozialistischer Regierung. OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte die venezolanische Regierung zuletzt immer wieder heftig kritisiert und Neuwahlen in dem südamerikanischen Land gefordert. Zudem warf er Maduro eine systematische Verletzung der Menschenrechte und demokratischer Prinzipien vor. Gerade erst hatte die OAS ein Sondertreffen zur Lage in dem Krisenstaat angekündigt.

Organisation Amerikanischer Staaten (OAS)

Die OAS wurde 1948 als Nachfolgeorganisation der "Internationalen Konferenz Amerikanischer Staaten" gegründet und dient dem politischen und wirtschaftlichen Austausch ihrer Mitgliedsländer. Der OAS gehören alle 35 Staaten Nord- und Südamerikas außer Kuba an, das 1962 auf Bestreben der USA von der Organisation ausgeschlossen wurde. Auch wegen des großen Einflusses der USA gründeten 2011 die lateinamerikanischen und karibischen Länder die Organisation CELAC als Gegengewicht zur OAS. Venezuela ist das erste Land, das den Staatenbund seit der Gründung vor rund 70 Jahren verlässt.

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen, Regierungsanhängern und Sicherheitskräften kamen seit Anfang April mehr als 30 Menschen ums Leben. Auch gestern gab es erneut Proteste. Dabei starb ein 20-Jähriger, der von einem Tränengasgeschoss getroffen worden war sowie ein durch Schüsse verletzter 22-Jähriger im Krankenhaus der Stadt Valencia. Zehntausende gingen in der Hauptstadt Caracas auf die Straße. Sie forderten den Rücktritt Maduros und sofortige Neuwahlen.

Maduro wittert Verschwörung

Venezuela steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Die Opposition wirft der Regierung Verfassungsbruch und einen immer autoritäreren Führungsstil vor. Präsident Maduro hingegen wittert eine Verschwörung von konservativen Kreisen und dem Ausland gegen seine sozialistische Regierung.

Venezuela verfügt über enorme Ölreserven, leidet aber unter enorm hoher Gewaltkriminalität, einer Hyperinflation und einer schweren Wirtschaftskrise. Es steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden.

Venezuela tritt aus OAS aus
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko City
27.04.2017 06:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. April 2017 um 04:56 Uhr.

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