Viele Demonstranten in Caracas tragen weiße Kleidung - als Zeichen des Friedens und der Achtung der Toten. | Bildquelle: REUTERS

Proteste in Venezuela Widerstand in Schweigen gehüllt

Stand: 22.04.2017 21:48 Uhr

In Venezuela haben die Regierungsgegner ihre Proteste fortgesetzt - auf sehr leise Art und Weise. Mit landesweiten Schweigemärschen gedachten die Teilnehmer der Opfer, die seit Beginn der Protestwelle bei Unruhen ums Leben kamen.

Widerstand muss nicht laut sein - in Venezuela sind erneut Tausende auf die Straßen gegangen, um gegen die Regierung unter Präsident Nicolás Maduro zu protestieren. Das Oppositionsbündnis MUD hatte zu Schweigemärschen aufgerufen, um der Todesopfer zu gedenken, die bei bisherigen Demonstrationen ums Leben gekommen waren. Seit Beginn der mittlerweile gut dreiwöchigen Protestwelle starben bei Unruhen und Protesten mindestens 21 Menschen.

Als Zeichen des Friedens und der Achtung der Toten trugen die meisten der Teilnehmer weiße T-Shirts oder Hemden. Ihr Weg führte sie zu dem jeweiligen Bischofssitz in ihrer Stadt. Die Demonstrationen wurden von Polizei und Sicherheitskräften überwacht. Über erneute Ausschreitungen wurde bislang nichts bekannt.

Erst in der Nacht zum Freitag war es im Viertel La Valle im Südosten der Hauptstadt Caracas zu drastischen Szenen gekommen. Demonstranten und Polizisten lieferten sich Straßenschlachten, es kam zu massiven Plünderungen. Insgesamt starben in der Nacht mindestens zwölf Menschen - elf in La Valle und ein Mann im Armenviertel Petare.

Zwölf Tote allein am Freitag

Die meisten Opfer sollen durch Stromschläge eines Elektrozauns getötet worden sein, als sie in einer Bäckerei einen Kühlschrank stehlen wollten, andere starben durch Schüsse. Ein Kinderkrankenhaus soll wegen des massiven Einsatzes von Tränengas evakuiert worden sein. Das bestritt allerdings der Vizepräsident des Landes, Tareck El Aissami. Dies sei lediglich ein neuer Versuch, Menschen zu demoralisieren, die für immer mit dem Bürgertum gebrochen hätten, sagte er. Seiner Ansicht nach befindet sich Venezuela in einem "unkonventionellen Krieg" mit Regierungsgegnern und kriminellen Banden. Diese würden zusammenarbeiten, sagte El Aissami.

Ein Polizist feuert Tränengasgranaten in  Caracas | Bildquelle: dpa
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Die Sicherheitskräfte gehen mit aller Härte gegen die Proteste vor.

Die Regierungsgegner machen Präsident Nicolás Maduro für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung über seine Amtsenthebung. Die Opposition wirft der Regierung zudem vor, Teilnehmer der Proteste gezielt von Milizen erschießen zu lassen. Nach Angaben einer Anwaltsvereinigung wurden zudem seit Ausbruch der Proteste vor drei Wochen fast 1300 Menschen festgenommen.

Parlamentspräsident warnt Banken vor Kauf von Gold

Der oppositionelle Parlamentspräsident Julio Borges versuchte, einer möglichen Unterstützung der Regierung durch ausländische Wirtschaft vorzubeugen. Er verfasste Briefe an ausländische Banken - zu deren Empfängern zählen der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, und mehr als ein Dutzend andere internationale Großbanken. In dem Schreiben warnte Borges davor, die Regierung unter Maduro könne versuchen, durch den Verkauf von Goldreserven einen Staatsbankrott zu vermeiden.

Die Währungsreserven Venezuelas werden derzeit auf knapp 9,3 Milliarden Euro geschätzt - drei Viertel davon in Goldbarren. Um diese zu verkaufen, braucht die Regierung laut Borges jedoch die Zustimmung des Kongresses, andernfalls wäre ein solcher Deal verfassungswidrig. Wer immer Maduro jetzt zur Seite springe, unterstütze eine diktatorische Regierung dabei, verfassungswidrig an der Macht zu bleiben, betonte der Oppositionspolitiker.

Staaten und UN appellieren an Maduro

Neun lateinamerikanische Staaten hatten die Behörden in Venezuela dazu aufgefordert, wieder auf den "Pfad der demokratischen Institutionen" zurückzukehren. In einer Mitteilung der Regierungen von Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Mexiko, Paraguay, Peru und Uruguay hieß es zudem, dass die Regierung in Caracas die politischen Gefangenen freilassen und ein Datum für Wahlen ansetzen solle.

Zuvor hatte bereits UN-Generalsekretär António Guterres alle Konfliktparteien zu einem verstärkten Bemühen um Dialog ermahnt. Die Opposition wirft Maduro vor, mit zunehmend diktatorischen Mitteln seine Macht ausbauen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. April 2017 um 20:00 Uhr.

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