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Nach kritischem Bericht CNN in Venezuela abgeschaltet

Stand: 16.02.2017 04:54 Uhr

Verkauft Venezuelas Regierung Pässe und Visa? Ja, meldete CNN, zu den Kunden gehörten möglicherweise auch Terrorverdächtige im Mittleren Osten. Die venezolanische Regierung reagierte empört - und schaltete den spanischsprachigen Dienst des Senders kurzerhand ab.

Die venezolanische Regierung hat den spanischsprachigen Ableger des US-Nachrichtensenders CNN im Land abgeschaltet. Am Mittwochabend (Ortszeit) war das Programm laut Medienberichten nicht mehr im Kabelnetz zu empfangen. Zur Begründung hieß es in Caracas, der TV-Sender betreibe "Kriegspropaganda".

Vor der Abschaltung hatte die Kommunikationsbehörde Conatel ein Verfahren gegen CNN angekündigt, mit der Begründung, der Sender habe Fernsehsendungen ausgestrahlt, die die nationale öffentliche Ruhe angriffen. Präsident Nicolás Maduro hatte dem Nachrichtensender vorgeworfen, mit Falschdarstellungen zu manipulieren. "CNN raus aus Venezuela", forderte der sozialistische Präsident

Pass ermöglicht visafreie Einreise

Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami | Bildquelle: REUTERS
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CNN hatte Vizepräsident Tareck El Aissami schwere Vorwürfe gemacht.

CNN hatte Anfang Februar berichtet, dass Venezuela gerade im Mittleren Osten seit Jahren Pässe und Visa für mehrere Tausend US-Dollar verkaufe, möglicherweise auch an Terrorverdächtige und Drogenhändler. Das Land pflegt gute Kontakte zum Iran, einige Politiker sollen enge Verbindungen zur Hisbollah-Miliz unterhalten.

Vizepräsident Tareck El Aissami wurde als einer der Hintermänner der angeblichen Visa-Deals genannt. CNN beruft sich bei seinen Recherchen unter anderem auf einen früheren Botschaftsmitarbeiter im Irak. Mit einen Pass Venezuelas kann man in über 130 Ländern visafrei einreisen. Die Regierung des Landes weist solche Vorwürfe zurück.

CNN protestiert

CNN warf der Regierung vor, sich gegenüber der Bevölkerung ungerecht zu verhalten, indem sie ihr Nachrichten und Informationen vorenthalte, auf die die Menschen seit 20 Jahren vertrauten. "Wir bei CNN en Espanol glauben daran, dass die Pressefreiheit eine maßgebliche Rolle in einer gesunden Demokratie spielt." Der Sender verwies darauf, dass das Signal auf YouTube weiterhin empfangbar sei.

Ein Land in der Krise

Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Venezuela sind auf einem Tiefpunkt. Auch innenpolitisch steckt Venezuela in der Krise. Die bürgerliche Opposition wirft der Regierung Misswirtschaft und einen diktatorischen Regierungsstil vor.

Maduro beschuldigt die Opposition, mit einem Wirtschaftskrieg und ausländischer Unterstützung eine Umsturzstimmung im Land zu provozieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2017 um 01:00, 02:00, 05:00 und 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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