Herbert Dries, Markenvorstand bei Volkswagen, bekräftigt auf der Bühne die Strategie seines Unternehmens auch weiterhin auf den amerikanischen Markt zu setzen.  | Bildquelle: dpa

Deutsche Autobauer mit Rekordjahr Gute Aussichten trotz VW-Skandal

Stand: 11.01.2016 18:01 Uhr

Der VW-Abgasskandal hatte bisher kaum messbare Konsequenzen für die deutsche Autobauer-Branche. Stattdessen vermeldet der Verband Deutscher Autobauer sogar einen neuen Rekordabsatz in 2015. Im kommenden Jahr könnte es aber einen Umschwung geben.

Von Hilke Janssen, zzt. ARD-Studio Washington

2015 war für die deutschen Autobauer in den USA ein Rekordjahr. Die deutschen Hersteller haben im vergangenen Jahr insgesamt 1,4 Millionen Neuwagen an amerikanische Kunden verkauft – ein Plus von zwei Prozent. Dieser Erfolg wird jetzt vom Abgas-Skandal bei Volkswagen gebremst, glaubt VDA-Präsident

Denn der schlägt vor allem auf das Image von Diesel-Autos . "Wir haben in Amerika einen Diesel-Marktanteil von rund drei Prozent, wir haben in Europa einen Diesel-Marktanteil von etwa 50 Prozent. Das heißt, hier ist ein Rückschlag für den Diesel, wie es durch den Manipulationsskandal bei Volkswagen naturgemäß erfolgt ist, natürlich schon schwerer zu verdauen als bei einem kleinen Marktanteil."

Deutsche Firmen setzen auf den Nischenmarkt

Trotz der Probleme will die deutsche Auto-Industrie den Nischenmarkt Diesel nicht aufgeben. Die Technik, die amerikanische Kunden nicht besonders attraktiv finden, ist für die deutschen Hersteller ein Muss: Sie brauchen den Diesel, um im Durchschnitt die strengen CO2-Ziele einzuhalten.

Der Abgasbetrug bei Volkswagen sei in den USA ein sehr präsentes Thema, sagt VDA-Präsident Wissmann. Dass die amerikanischen Kunden und Behörden verärgert sind, kann er nachvollziehen.

"Dieser Vorgang hier ist kein Vorgang, den man mit der linken Hand abtun kann. Manipulation von Software geht einfach nicht, das kann nicht akzeptiert werden, das ist illegal. Deswegen ist die einzige Antwort rückhaltlose Aufklärung, vollständige Transparenz und engste Zusammenarbeit mit den Behörden."

Abgas-Manipulation bei VW - die Vorwürfe

Die US-Umweltschutz-Behörde EPA beschuldigt VW, vorsätzlich Abgasvorschriften bei Diesel-Fahrzeugen umgangen zu haben. Ihnen sei eine Software eingesetzt worden, mit der die Messung bestimmter Abgaswerte umgangen werden könne.

"Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", erklärt eine EPA-Vertreterin. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limits um das bis zu 40-Fache überstiegen. Im Fokus der EPA-Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Volkswagen räumte die Manipulationen ein. Nach bisherigem Stand sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

Billiger Sprit und günstige Häuser als Erfolgsgrund

Genau das soll passieren: Am kommenden Mittwoch will VW-Chef Müller bei den Behörden in Washington vorsprechen und Lösungen für betroffene Kunden diskutieren. Dass der Abgas-Skandal bei VW auch auf die anderen deutschen Hersteller in den USA abfärbt, glaubt VDA-Chef Matthias Wissmann nicht.

Der Automobil-Verband rechnet damit, dass der gesamte US-Markt in 2016 leicht wachsen wird – auf rund 17,5 Millionen verkaufte Autos. Möglich machen das unter anderem billiger Sprit und günstige Zinsen. "Gesunkene Arbeitslosigkeit, steigende Selbstständigenquote, gut laufender Häusermarkt, vernünftige Preise. Das spricht für ein recht gutes Jahr."

Zukünftig wollen die deutschen Autobauer in den USA auch verstärkt auf Elektro-Autos setzen. Ob die Öko-Autos bei den Kunden ankommen, ist offen. Zuletzt haben sich viele Amerikaner lieber für schwere Pick-Ups und spritschluckende Geländewagen entschieden.

VDA sieht trotz VW-Skandal gute Aussichten in USA
H. Janssen, NDR
11.01.2016 16:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2016 um 17:00 Uhr.

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