Der Geistliche Kryzstof Charamsa lehnt lächelnd seinen Kopf an die Schulter seines Partners. | Bildquelle: AFP

Unmittelbar nach Coming-Out Vatikan feuert schwulen Geistlichen

Stand: 03.10.2015 17:27 Uhr

Ein hochrangiger Geistlicher aus dem Vatikan hat sich zu seiner Homosexualität bekannt. Die katholische Kirche reagierte prompt und feuerte den 43-jährigen Polen. Dieser ließ den Rausschmiss nicht wortlos auf sich sitzen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die Reaktion kam umgehend. Kryzstof Charamsa könne nicht mehr im Vatikan oder an den päpstlichen Universitäten tätig sein, erklärte Papstsprecher Federico Lombardi nach dem Coming-Out des polnischen Geistlichen. Der 43-Jährige hatte sich in mehreren Interviews offen zu seiner Homosexualität bekannt.

Als der Vatikan diesen Schritt wie erwartet verurteilte, lud Charamsa am Mittag in ein römisches Restaurant zu einer spontanen Pressekonferenz, bei der er auch seinen Partner vorstellte. "Dieses Coming-Out widme ich der Person, die ich liebe, meinem Edoardo. Ohne ihn wüsste ich nicht, wie ich meine Angst in die Kraft der Liebe umwandeln kann. Und das sage ich als katholischer Priester, der in einen Mann verliebt ist", sagte Charamsa.

Der Geistliche Kryzstof Charamsa steht lächelnd und umringt von Kameras in Rom. | Bildquelle: REUTERS
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Charamsa: "Dieses Coming-Out widme ich der Person, die ich liebe, meinem Edoardo."

Charamsa ist nicht irgendein Pfarrer

Immer wieder kommt es vor, dass sich Priester offen zu einem Partner bekennen. Wohl wissend, dass dies das Ende ihrer kirchlichen Karriere bedeutet. Doch mehrere Umstände machen diesen Fall zu einem besonderen: Charamsa ist nicht irgendein Pfarrer, er arbeitet in der Glaubenskongregation. Er ist Sekretär der internationalen vatikanischen Theologenkommission und lehrt an einer päpstlichen Hochschule.

Nicht zufällig wählte Charamsa diesen Tag für sein Coming-Out. Morgen beginnt in Rom die Bischofssynode zur Familie. Ein Thema: Wie steht die katholische Kirche zu homosexuellen Partnerschaften?

"Hass am eigenen Leib erfahren"

Charamsa will ein Zeichen setzen: Auch homosexuelle Liebe sei familiäre Liebe. Und er beklagte in der Kirche ein Klima der Homophobie: "Ich möchte meiner Kirche sagen, dass wir nicht länger sexuelle Minderheiten hassen können. So hassen wir die Menschheit, zumindest einen Teil davon. Ich habe diesen paranoiden Hass meiner Mitbrüder am eigenen Leib erfahren", erzählte der Geistliche.

Im Vatikan fürchtet man nun, dass der Fall Charamsa die Synode überschatten könnte. "Verantwortungslos" nannte Sprecher Lombardi das öffentliche Bekenntnis des Geistlichen zu seiner Homosexualität. Das Klima unter den Bischöfen ist ohnehin angespannt. Und beim Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften scheinen die Gräben unter den Bischöfen besonders tief.

Auch deshalb wird das heiße Eisen "Homosexualität" bei der Synode nur am Rande eine Rolle spielen. Vor einem Jahr fand sich nicht einmal eine zwei Drittel Mehrheit in der Synode für die Katechismus-Formulierung, dass man Homosexuellen mit "Achtung, Mitleid und Takt" begegnen will.

Outing eines homosexuellen Geistlichen erschüttert den Vatikan
T. Kleinjung, ARD Rom
03.10.2015 17:04 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. Oktober 2015 um 15:15 Uhr auf NDR Info.

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