Wolken über dem Petersdom | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Alles muss ans Licht" von Gianluigi Nuzzo Einblicke in die Machenschaften des Vatikan

Stand: 04.11.2015 18:23 Uhr

Gelder, die für karitative Zwecke gedacht sind, dann aber auf anderen Konten landen: In seinem neuen Buch enthüllt der Autor Nuzzi die Machenschaften des Vatikan. Er zeigt, wie Reformer in der Kirche bekämpft werden.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Autor Gianluigi Nuzzi verfügt nach eigenen Angaben über den Mitschnitt eines Treffens des Papstes mit einigen Kardinälen, in dem es um die finanziellen Angelegenheiten des Vatikan ging. Die Begegnung fand im Sommer 2013 statt, nur wenige Monate nach der Wahl von Franziskus, der da bereits einen tiefen Einblick in die vatikanische Misswirtschaft erhielt. In seiner Ansprache beklagte er mangelnde Transparenz und Geldverschwendung.

In seinem Buch beschreibt Nuzzi, wie Papst Franziskus in der Folge versucht, den Vatikan zu reformieren und auf welche Widerstände er dabei stößt. "Es geht hier um eine Frage der Mentalität. Franziskus will die Einstellung ändern, die Personen und die Gesetze. Wer aus persönlichem Interesse immer noch an Geschäften, an der Macht hängt, versucht sich dem zu widersetzen", so Nuzzi.

Gianluigi Nuzzi | Bildquelle: ARD Rom
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Wirft dem Vatikan Misswirtschaft vor: Der Autor Gianluigi Nuzzi.


Tresore geknackt, Dokumente entwendet

Die Gegner der Reformen des Papstes greifen auch zu brachialen Methoden. In die Büros einer Untersuchungskommission, die Franziskus eingerichtet hatte, wurde im vergangenen Jahr eingebrochen. Tresore wurden geknackt und vertrauliche Dokumente entwendet.

Manche Vatikan Behörden verweigern sich beharrlich einer Offenlegung ihrer Vermögensverhältnisse. "Das geht soweit, dass der Vorsitzende der Untersuchungskommission mehrfach den Papst um eine Intervention bitten muss, um unverzichtbare Informationen zu erhalten, damit man die Reformen einleiten kann", erzählt Nuzzi.

Werke von Gianluigi Nuzzi | Bildquelle: ARD Rom
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Bücher des Autors Gianluigi Nuzzi

Nur ein kleiner Teil für karitative Zwecke

In allen katholischen Gemeinden der Welt wird alljährlich rund um den 29. Juni der sogenannte Peterspfennig gesammelt, um "die Erfordernisse der universalen Kirche und den Dienst an den Bedürftigen" zu unterstützen.

Aus den von Nuzzi veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass die Kollekte nur zu einem kleinen Teil karitativ verwendet wird. "Von zehn Euro, die für wohltätige Zwecke gesammelt werden, werden sechs Euro für die Sanierung maroder Konten benutzt, zwei werden in einem Finanzfonds angelegt, der derzeit 400 Millionen Euro beträgt. Nur zwei dieser zehn Euro stehen dem Papst für karitative Zwecke zur Verfügung."

All das fand die Untersuchungskommission heraus, der auch der spanische Prälat Lucio Angel Vallejo Balda angehört. 2011 wurde er von Papst Benedikt nach Rom geholt, um Ordnung in das vatikanische Finanzwesen zu bringen. Damals zeigte er sich in einem ARD-Interview noch zuversichtlich, dass ihm das gelingt. "Wir alle wollen Transparenz. Wir veröffentlichen unsere Bilanzen, es gibt öffentliche Mitteilungen, und alle Bischöfe der Welt erhalten diese Informationen. Wir haben kein Interesse an obskuren Aktivitäten", sagte er.

Vergiftetes Klima im Vatikan

Im Laufe der Jahre verlor Vallejo Balda seine positive Grundstimmung offenbar. Gegenüber Vertrauten beklagte Balda ein vergiftetes Klima im Vatikan. Er musste miterleben, wie er bei der Berufung auf eine Schlüsselstelle im neuen vatikanischen Finanzministerium übergangen wurde.

Für die vatikanische Justiz ist es ausgemacht, dass der spanische Geistliche den Journalisten Nuzzi mit den brisanten Dokumenten versorgte. Am vergangenen Wochenende wurde Balda gemeinsam mit einer externen Beraterin verhaftet.

Nuzzi will nicht sagen, wer seine Informanten waren, nennt aber die Festnahmen eine "abnorme Reaktion". "Dass es Verhaftungen gleichzeitig mit der Veröffentlichung meines Buches gab, empfinde ich als ungeschickten Versuch, von genau den Problemen abzulenken, die dieses Buch aufzählt", sagt er.

Kirche sieht sich auf gutem Weg

Der Vatikan reagierte nun auch inhaltlich auf Nuzzis Buch. Die beschriebenen Missstände seien zu einem großen Teil bereits überwunden, sagt Vatikansprecher Federico Lombardi. Papst Franziskus habe den Weg der "guten Verwaltung, der Ehrlichkeit und Transparenz" eingeschlagen, und es mangele ihm dabei auch nicht an loyalen Mitarbeitern.

Neues Buch über vatikanische Misswirtschaft
Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
04.11.2015 17:29 Uhr

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