Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Deutschlands Verhältnis zu Trump Vorsichtig bis kampfbereit

Stand: 20.01.2017 04:43 Uhr

Mit seinem Eid wird Trump heute der neue US-Präsident. Schon während des Wahlkampfes hatte Deutschland den Republikaner skeptisch beäugt - und tut es noch. Dabei sind sich deutsche Politiker in einem einig: Klein beigeben ist nicht drin.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Tief durchatmen - das rät der scheidende US-Botschafter in Berlin, John Emerson, der deutschen Politik. Aber er sagt auch, wie froh viele in den USA sind, dass es Angela Merkel gibt. Die hält sich bisher sehr zurück, was den künftigen starken Mann im Weißen Haus angeht: "Ich persönlich warte jetzt erst einmal auf die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten. Das gehört sich so, und dann werden wir natürlich auf allen Ebenen mit ihm zusammenarbeiten."

Bundeskanzlerin Angela Merkel | Bildquelle: AFP
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Für ihre Überzeugungen ist Kanzlerin Angela Merkel bereit "Schlachten zu schlagen".

Die Kanzlerin soll sich schon um einen Termin für ihren Antrittsbesuch in Washington D.C. bemühen. Aber Merkel macht auch klar: Donald Trump muss sich warm anziehen - sie will sich nicht verstecken vor dem neuen US-Präsidenten. Für ihre Überzeugungen - Freihandel, Klimaschutz, Europas Einheit und Demokratie - will sie Schlachten schlagen, sagt Merkel ungewöhnlich kämpferisch vor Industrievertretern: "Wir müssen sie aus Prinzip schlagen, und ich bin dazu gerne bereit!"

Jeder ist ein Konkurrent

Trump ist Merkels dritter US-Präsident. Der erste, George W. Bush, hat ihr bei einem G8-Gipfel ungefragt den Nacken massiert. Den zweiten, Barack Obama, hat sie erst kritisch beäugt. Am Ende waren die beiden ein Dreamteam.

Mit Trump stellt sich die Kanzlerin auf harte Konflikte ein - bei aller Diplomatie. Zu Recht, sagt der Unions-Außenpolitiker Norbert Röttgen: "Trump glaubt, amerikanische Interessen in der harten Konkurrenz gegen andere durchsetzen zu müssen. Auch gegenüber Freunden und Alliierten. Und ich glaube, dass er uns auch so wahrnimmt: als Konkurrenz, als Export- und Job-Konkurrenz."

Spott wischt Sorgen nicht weg

Dazu hat er auch allen Grund, witzelt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, als sich Trump via Zeitungsinterview über zu viele deutsche Autos in den USA und zu wenige US-Fahrzeuge hierzulande beschwerte. "Mein Ratschlag ist: Bessere amerikanische Autos bauen, dann kauft die vielleicht auch jemand", so die Reaktion des SPD-Politikers.

Trotz allen Spotts: Die meisten deutschen Top-Entscheider sind in Sorge wegen Trump - 96 Prozent laut neuer Allensbach-Umfrage. Eine Wundertüte bleibt Trump auch für den frisch gekürten Grünen-Spitzenkandidaten, Cem Özdemir. "Das wird eine harte Belastungsprobe. Trotzdem hoffen wir, dass die Selbstheilungskräfte der amerikanischen Demokratie stark genug sind. Auf jeden Fall muss man sich auf harte Zeiten im transatlantischen Verhältnis einstellen", warnt Özdemir.

Trump "wird Jobs zerstören"

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hingegen sieht das lockerer. Er glaubt, Trump habe sich jetzt schon verrechnet. Dessen Zoll-Androhungen an Deutschland bewirkten bei Konzernen genau das Gegenteil: "Sie werden keine Investitionen in die USA bringen, sondern Unternehmer werden sagen: 'Ich werde in Zukunft gar nicht erst in den USA investieren, ich werde lieber woanders bleiben'." Mit diesem "Protektionismus" werde Trump keine Jobs in die USA zurückbringen, ist Fratzscher überzeugt, stattdessen "wird er weiter Jobs zerstören".

Gelassenheit ausstrahlen, durchatmen, abwarten, sich gegen Trump wappnen. Viel anderes bleibt der deutschen Politik und Wirtschaft auch nicht übrig.

Deutsch-amerikanische Beziehungen: Wer hat Angst vor Donald Trump?
Angela Ulrich, ARD Berlin
19.01.2017 20:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Januar 2017 um 07:50 Uhr

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Angela Ulrich, RBB

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