Denkmal für den Südstaaten-Präsidenten Jefferson Davis in Alabama | Bildquelle: AP

Bürgerkriegs-Statuen Abreißen oder stehen lassen?

Stand: 17.08.2017 20:03 Uhr

Die Stadt Baltimore hat kurzen Prozess gemacht: Vier umstrittene Konföderierten-Statuen wurden abgerissen. Andere Städte wollen folgen. Präsident Trump reagierte entrüstet. Das Land streitet über den richtigen Umgang mit seiner Geschichte.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Statt Fackeln tragen sie kleine Kerzen. Statt hasserfüllter Parolen singen Hunderte Menschen leise Lieder. Nach der Trauerfeier für die am Samstag getöteten Heather Heyer sind viele auf den Campus der Universität von Virginia in Charlottesville gekommen. Sie stehen am Denkmal von Thomas Jefferson. Dort, wo am Freitag Rechtsextreme mit Fackeln und antisemitischen Schlachtrufen aufmarschiert waren.

Gedenken in Charlottesville | Bildquelle: REUTERS
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Gedenken in Charlottesville

"Es wird irgendwie weitergehen"

Mit der Nachtwache wollen sie diesen Ort zurückerobern, sagen sie. Eine Frau stellt ihre Kerze vor den Sockel am Fuße des Denkmals. "Das ist ein bewegender Moment. Das zeigt, es wird irgendwie weitergehen. Wie die Kerzen entzünden wir hier etwas. Wie die Mutter von Heather Heyer sagte: 'Wir werden weiterkämpfen'. Das ist nur der Anfang."

Tatsächlich wird in den USA schon seit Monaten und Jahren gekämpft: Es geht um den richtigen Umgang mit der Geschichte und dem Rassismus. Auslöser für die Proteste in Charlottesville war der geplante Abriss einer Bronzestatue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee, ein Verfechter der Sklaverei.

Kurzer Prozess in Baltimore

Die Statue steht noch. Im zweihundert Kilometer entfernten Baltimore dagegen hat die Stadt kurzen Prozess gemacht. Ungestört in der sicheren Nacht zu Mittwoch ließ Bürgermeisterin Catherine Pugh Kräne und Sattelschlepper anrücken. Bis zum Morgengrauen waren vier Denkmäler verschwunden. Sie sagte:

"Wir brauchten nicht noch mehr Reden anzuhören. Es war Zeit zum Handeln. Für mich ging es nicht um eine große Show, es sollte einfach gemacht werden. Sicherlich können die Firmen spät in der Nacht auch einfacher arbeiten."

Abgebaute Statue in Baltimore | Bildquelle: AP
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In Baltimore rückten in der Nacht Arbeiter mit schwerem Geräten an und entfernten vier Statuen.

Soldaten-Standbild in North Carolina entfernt

In Durham in North Carolina wurde eine wütende Menge selbst aktiv. Bereits am Montag rissen sie das Standbild eines Soldaten nieder, der für die Südstaaten gekämpft hatte. Die Statue stand seit 1924.

US-Medien zufolge hat die Polizei vier Protestierende festgenommen. Nicht erst nach Charlottesville wird gestritten. Seit Jahren stehen Hunderte Denkmäler quer durchs Land auf dem Prüfstand. Der Streit dauert schon länger.

Trump twittert erbost

Ob nun die Denkmäler von George Washington und Thomas Jefferson als nächstes dran wären, fragte US-Präsident Trump rhetorisch. Historiker kritisieren: Trump vergleiche hier Äpfel mit Birnen. Doch mit einer Reihe von Tweets von heute heizt der Präsident die Debatte weiter an.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Sad to see the history and culture of our great country being ripped apart with the removal of our beautiful statues and monuments. You.....
Donald J. Trump @realDonaldTrump
...can't change history, but you can learn from it. Robert E Lee, Stonewall Jackson - who's next, Washington, Jefferson? So foolish! Also...

"So traurig zu sehen, wie die Geschichte und Kultur unseres großartigen Landes auseinandergerissen wird", schrieb Trump auf Twitter. "Das ist so dumm."

Für viele sind diese Denkmäler rassistische Symbole, die für die dunkle Zeit der Sklaverei in Amerika stehen. Rechte Gruppierungen wollen den andauernden Streit nutzen und mobilisieren ihre Anhänger. Sie haben weitere Kundgebungen angekündigt.

Weg bei Nacht und Nebel: Konföderiertenstatuen werden abgebaut
Marc Hoffmann, ARD Washington
17.08.2017 20:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. August 2017 um 17:50 Uhr.

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