Trauernde in Sutherland Springs | Bildquelle: AP

Attentat von Sutherland Springs Täter hätte keine Waffe besitzen dürfen

Stand: 07.11.2017 09:01 Uhr

Der Attentäter von Sutherland Springs hätte in den USA keine Waffen besitzen dürfen. Doch die US-Luftwaffe versäumte es offenbar, Informationen über seine Verfehlungen weiterzugeben. Sein Motiv könnte ein Familienstreit gewesen sein.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, lehnt härtere Waffengesetze ab. Wer die Vorgaben verschärfen wolle, hindere rechtschaffende Bürger daran, sich selbst zu verteidigen, sagte Paxton im Fernsehsender "Fox News".

Sutherland Springs: Stephan Willeford, nachdem er sich dem Attentäter in den Weg gestellt hatte | Bildquelle: AP
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Stephan Willeford stellte sich dem Attentäter in den Weg.

"Ich bin kein Held"

Als Beispiel dafür verweisen jetzt alle auf Stephen Willeford. Der 55-Jährige stellte sich dem Attentäter von Sutherland Springs mit einer Waffe in der Hand in den Weg, zwang ihn zur Flucht und verfolgte ihn bis zum Schluss. "Ich hatte Todesangst. Ich hatte Angst um mich, um die Leute in der Kirche und meine Familie, die weniger als einen Block entfernt wohnt", berichtet er. "Ich bin kein Held. Ich bin keiner." Willeford ist sichtlich geschockt - so wie viele Einwohner in Sutherland Springs.

Beim Attentat auf die Kirchengemeinde der Baptisten sind 26 Menschen getötet worden, 29 wurden verletzt. Einige schweben immer noch in Lebensgefahr. Die Ermittler des FBI schließen Terrorismus als Tatmotiv aus. Sie fürchten vielmehr, dass ein Streit in der Familie für den 26-jährigen Attentäter der Auslöser war. Der Amerikaner soll seiner Schwiegermutter Drohmitteilungen geschickt haben. Sie besucht regelmäßig die Kirche in Sutherland Springs. An diesem Sonntag jedoch nicht.

2014 unehrenhaft aus der Air Force entlassen

Die Debatte über verschärfte Waffengesetze sei in Washington mittlerweile so vorhersehbar wie die Attentate mit Schusswaffen selbst, textet resigniert eine Reporterin des Fernsehsenders "CBS". Demokraten werfen dem Kongress Untätigkeit vor, während immer wieder Amerikaner getötet werden. Republikaner verlangen, Gefühle aus dem Spiel zu lassen und die Ermittlungsergebnisse abzuwarten.

Der Attentäter von Sutherland Springs hätte nach US-Recht nie eine Waffe besitzen dürfen. Er war 2014 unehrenhaft aus der Air Force entlassen worden. Er hatte seine damalige Frau und seinen Stiefsohn geschlagen und verletzt. Das belegen Unterlagen. Aber das US-Militär hatte es offenbar versäumt, die Informationen an die zivilen Behörden weiterzugeben. Informationen, die es dem 26-Jährigen unmöglich gemacht hätten, legal an eine Waffe zu gelangen.

"Das Böse überwinden - das geht nur mit Gott"

Konservative wie der texanische Gouverneur Greg Abbott fühlen sich in ihrer Ablehnung schärferer Gesetze bestätigt. Der Gouverneur beantwortet die Frage nach der Verantwortung mit einem Verweis auf Gott, den Allmächtigen: "In den Worten der Einwohner von Sutherland Springs - sie wollen das Böse überwinden. Und das geht nur mit Gott."

Und in den Abendnachrichten des Nachrichtensenders "CBS" fragt der Moderator, ob die Menschen in den USA wegen der großen Zahl von Massenschießereien abgestumpft sind.

Nach Sutherland Springs - Stumpft Amerika ab?
Torsten Teichmann, ARD Washington
07.11.2017 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. November 2017 um 09:00 Uhr.

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