Schiff der US-Küstenwache erreicht vor Florida Flüchtlingsschiff aus Kuba | Bildquelle: AP

Obama ändert Politik Kubas Flüchtlinge verlieren Privilegien

Stand: 13.01.2017 09:39 Uhr

Flüchtlinge aus Kuba werden künftig in den USA behandelt wie alle anderen. Wer das Land illegal erreicht, muss zurück. Bislang galt das nur für Bootsflüchtlinge, die auf dem Meer aufgegriffen wurden. Kubas Regierung begrüßt das.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mittelamerika und Karibik

Egal wie, ob auf Gummireifen, in windschiefen Holzkähnen oder selbstgebastelten Fluggeräten: Irgendwie mussten die Kubaner trockenen Fußes die USA erreichen. Das genügte für eine Aufenthaltsgenehmigung. Wurden sie noch auf dem Meer erwischt, mussten sie zurück nach Hause.

"Pies secos, pies mojados" - trockene oder nasse Füße, heißt deshalb die US-Regelung, die Präsident Barack Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit aussetzte. Sie galt auch für Kubaner, die sich nicht auf die lebensgefährliche Reise über das Meer ins nur 90 Meilen entfernte Florida begaben, sondern es über den Landweg versuchten: zuerst per Flugzeug ins südamerikanische Ecuador, das einzige Land, das Kubanern Visa gibt, und dann weiter durch Kolumbien, Mittelamerika und Mexiko, Tausende Kilometer zu Fuß.

Wer die Strapaze überlebte, konnte am Ende ganz offiziell die US-mexikanische Grenze überqueren. Dieses Privileg galt nur für Kubaner.

Zaun an der Grenze zwischen den USA und Mexiko | Bildquelle: REUTERS
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Die letzte Hürde auf für Kuba-Flüchtlinge: der Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko

Die Regierung ist zufrieden

Ab sofort hängen Tausende fest, die sich bereits auf den Weg gemacht hatten. Die kommunistische Regierung in Havanna begrüßte die Entscheidung Obamas. Das Staatsfernsehen unterbrach sein Programm. Ein Sprecher verlas eine Erklärung, in der es hieß, die bisherige Regelung habe "Anreize für die illegale Migration, Menschenhandel, irreguläre Einwanderung" geschaffen. Die USA hätten Kubanern eine bevorzugte Behandlung geboten, die Menschen anderer Nationalitäten nicht erhalten. "Das war Anstiftung zur illegalen Ausreise aus Kuba."

Deshalb sei das Ende dieser Politik ein wichtiger Schritt bei der Annäherung beider Staaten. In den zwei Jahren seit ihrem Beginn stieg die Zahl der kubanischen Flüchtlinge kontinuierlich. Allein 2016 schafften es 54.000 Kubaner in die USA. Wie viele auf ihrer Flucht ums Leben kamen, ist unbekannt.

Bootsflüchtlinge aus Kuba | Bildquelle: AP
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Flüchtlinge aus Kuba wagen die Fahrt übers Meer häufig auf Booten in einem abenteuerlichen Zustand.

"Jetzt müssen wir nicht mehr unser Leben riskieren"

Auf den Straßen Havannas äußerten die Menschen ihre Meinung nur sehr vorsichtig. Eigentlich eine gute Entscheidung, meinte eine Kubanerin, "denn jetzt müssen wir auch nicht mehr unser Leben riskieren". Und ein anderer Mann nannte die bisherige Politik einen "Angriff, der sich vor allem gegen unsere jungen Leute richtete". Viele hätten bei dem Fluchtversuch ihr Leben verloren.

Viele werden es trotzdem weiterhin riskieren - den Hunderttausenden Mittelamerikanern und Mexikanern gleichgestellt, die Jahr für Jahr unerlaubt die US-Grenze überqueren. Laut Vereinbarung zwischen beiden Regierungen sollen ab jetzt 20.000 Kubaner pro Jahr ein Einreisevisum erhalten. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Januar 2017 um 10:09 Uhr

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