Donald Trump | Bildquelle: AFP

Katar-Krise Ahnt Trump die Folgen seiner Tweets?

Stand: 07.06.2017 15:32 Uhr

Wie stehen die USA zur Katar-Krise? Präsident Trump heizt den Konflikt an, während seine Minister zu beschwichtigen versuchen. Beobachter in Washington bezweifeln, dass Trump die Folgen seiner Tweets überblickt.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Reaktionen des US-Präsidenten und seiner Minister auf die verschärften Spannungen zwischen den arabischen Ländern in der Golf-Region sind alles andere als stringent. Saudi-Arabien und andere Länder werfen dem kleinen Emirat Katar vor, islamistische Terrorgruppen zu finanzieren und mit dem Iran zu kooperieren.

In ersten Stellungnahmen hatten sich US-Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis darum bemüht, nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen. "Wir ermutigen die Konfliktparteien, sich zusammenzusetzen, um die Differenzen zu besprechen", appellierte Trumps Außenminister an die Vernunft aller Beteiligten. Und der US-Verteidigungsminister versuchte zu beschwichtigen: Er sei sich "sicher, dass diese dramatische Situation keine Auswirkungen" auf die Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz IS habe.

Trump heizt Konflikt per Twitter an

Spannungen in der Anti-IS-Koalition riskierte jedoch ausgerechnet US-Präsident Donald Trump durch mehrere Twitter-Botschaften. Statt zwischen den arabischen Verbündeten zu vermitteln, heizte Trump den Konflikt weiter an, indem er nicht nur einseitig Partei für Saudi-Arabien ergriff, sondern die Strafmaßnahmen gegen Katar auch noch als seinen persönlichen Erfolg darstellte: "Es ist so gut zu sehen, dass sich der Besuch in Saudi-Arabien mit dem König und 50 Ländern schon bezahlt macht. Sie hatten eine härtere Linie gegen die Finanzierung von Extremismus versprochen; und alle Hinweise deuteten auf Katar. Vielleicht wird dies der Anfang vom Ende des Terror-Schreckens!"

Donald J. Trump @realDonaldTrump
So good to see the Saudi Arabia visit with the King and 50 countries already paying off. They said they would take a hard line on funding...
Donald J. Trump @realDonaldTrump
...extremism, and all reference was pointing to Qatar. Perhaps this will be the beginning of the end to the horror of terrorism!

Für die Führung Katars waren Trumps Tweets vermutlich ein Schock. Noch vor zwei Wochen hatte Trump bei einem Treffen mit dem Emir die Beziehung zu Katar als "extrem gut" gelobt und ihm den Verkauf "vieler schöner Militärgeräte" versprochen. Katar sei ein "ganz wichtiger strategischer Partner". Tatsächlich befindet sich das US-Kommandozentrum für den Mittleren Osten in der Nähe der Hauptstadt Doha und die längste Start- und Landebahn der Amerikaner in der Golf-Region. Über 10.000 US-Soldaten sind dort stationiert.

Sind Trump die Konsequenzen seiner Tweets klar?

Möglicherweise sei Trump nicht klar gewesen, so die Vermutung besorgter Verteidigungsexperten in Washington, welche Konsequenzen seine Tweets für das US-Kommandozentrum in Katar haben könnten. Wenige Stunden nach Trumps Tweets bemühte sich sein Sprecher Sean Spicer um Schadensbegrenzung: "Die USA bleiben in enger Kommunikation mit allen Beteiligten, um den Konflikt zu lösen und die Zusammenarbeit wiederherzustellen. Wir wollen, dass der Konflikt sofort deeskaliert und gelöst wird."

Natürlich müsse Katar die Finanzierung von Terrorgruppen einstellen, meinte der frühere Sprecher im US-Außen- und Verteidigungsministerium John Kirby auf CNN. Aber: "Katar ist nicht das einzige Land, das Terrorgruppen unterstützt. Alle müssen da besser werden", erklärte Kirby. "Jetzt Katar an den Pranger zu stellen, das für uns im Kampf gegen den IS logistisch sehr wichtig ist, scheint mir wenig sinnvoll."

Am späten Dienstagabend versuchte US-Präsident Trump dann doch Schlimmeres zu verhindern und telefonierte mit dem saudi-arabischen König Salman. Trump habe die Notwendigkeit der Einheit der Golfstaaten betont, teilte das Weiße Haus anschließend mit. Beide hätten bekräftigt, dass alle Nationen in der Golf-Region verhindern müssten, dass Terrororganisationen finanziert und Extremisten gefördert werden.

USA zur Katar-Krise
M. Ganslmeier, ARD Washington
07.06.2017 13:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2017 um 05:40 Uhr.

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