Vor dem Gerichtsgebäude in Baltimore protestierten zahlreiche Menschen gegen Polizeigewalt. | Bildquelle: AP

Prozess um Fall Freddie Gray Geschworene finden kein Urteil

Stand: 17.12.2015 01:15 Uhr

Im April stirbt der Schwarze Freddie Gray im amerikanischen Baltimore in einem Polizeiauto. Es folgen Demonstrationen und Ausschreitungen. Doch der erste Prozess gegen einen der Polizisten ist nun gescheitert. Trotz tagelanger Beratungen fand die Jury kein Urteil.

Der Tod des Schwarzen Freddie Gray im April dieses Jahres hatte die Stadt Baltimore im US-Bundesstaat Maryland in einen Ausnahmezustand versetzt. Nachdem der 25-Jährige von mehreren Polizisten festgenommen worden war, zog sich Gray im Polizeiwagen so schwere Verletzungen des Rückenmarks zu, dass er zunächst ins Koma fiel und eine Woche später verstarb.

Der Polizist William Porter musste sich als erster der insgesamt sechs Beschuldigten im Fall Freddie Gray vor Gericht verantworten. | Bildquelle: AP
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Der Polizist William Porter musste sich als erster der insgesamt sechs Beschuldigten im Fall Freddie Gray vor Gericht verantworten.

Über Wochen und Monate kam es zu Demonstrationen und gewaltsamen Ausschreitungen. Jetzt befürchten die Behörden der Stadt, dass die Proteste erneut aufflammen. Denn der Prozess gegen einen der insgesamt sechs an der Festnahme beteiligten Polizisten ist vorerst geplatzt.

Die Geschworenen hatten seit Montag über ein Urteil beraten, konnten sich aber nicht einigen. Ob die Verhandlungen nun neu aufgerollt werden, soll das Gericht im Laufe des Tages klären.

Anklage wirft den Polizisten unter anderem Mord und Totschlag vor

Ein Rückblick: der 12. April 2015. Als Freddie Gray von den sechs Beamten - drei Weißen und drei Schwarzen - festgenommen werden sollte, versuchte er zunächst zu fliehen. Dann, so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, wurde der junge Mann gefesselt in das Polizeiauto gelegt, aber nicht angeschnallt. Durch diesen fehlenden Schutz habe er sich die Verletzungen an der Wirbelsäule zugezogen. Die Staatsanwältin Janice Bledsoe sprach später vor Gericht von dem Wagen als einen "Sarg auf Rädern". Die Verteidigung hingegen bezeichnete den Tod Grays als eine "schreckliche Tragödie".

Ende Mai wurde gegen die sechs Beamten Anklage erhoben. Den Polizisten wird unter anderem Mord mit bedingtem Vorsatz und Totschlag vorgeworfen. Auch der Polizist, der als erster Angeklagter vor Gericht stand, musste sich wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der Körperverletzung und eines Amtsvergehens verantworten. Die Verhandlungen der fünf weiteren Beschuldigten sollen noch folgen.

Nach Grays Tod brach die Debatte um Polizeigewalt in den USA erneut los. In Baltimore gingen die Menschen auf die Straße. Geschäfte wurden geplündert, Autos in Brand gesetzt. Die Demonstrationen eskalierten schließlich so stark, dass der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, den Ausnahmezustand ausrief und die Nationalgarde anforderte. Mit der Familie von Gray konnte sich die Stadt auf eine Entschädigung in Höhe von 6,4 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 5,8 Millionen Euro, einigen.

Auch gestern hatten sich vor Gericht mehrere Demonstranten versammelt. Sie skandierten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Die Bürgermeisterin von Baltimore, Stephanie Rawlings-Blake, mahnte zur Ruhe und rief die Menschen auf, das Ergebnis des Verfahrens zu akzeptieren. Sollte es zu Störungen in der Stadt kommen, werde man einschreiten.

Angst vor Unruhen in Baltimore
M. Ganslmeier, ARD Washington
17.12.2015 11:00 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 17. Dezember 2015 um 05:03 Uhr auf NDR Info.

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