Umgefallener Strommast | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Marode Stromversorgung in Washington Bei Sturm geht das Licht aus

Stand: 18.10.2015 12:13 Uhr

Stromkabel, die von Haus zu Haus gespannt sind, sieht man in Deutschland fast nicht mehr. In den USA dagegen hängen Kabel oft verknotet wie Wollfäden zwischen Holzpfählen. Bei Unwettern hat das direkte Folgen für die Menschen.

Von Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkstudio Washington

Phil Blair sorgt sich vor allem um die Bäume. Was man ihnen antut, zeigt er an einem Experiment: "Sie sind ein Baum, breiten sie die Arme aus. Die wollen ihren Kopf abschneiden damit die Stromleitungen durch ihren Hals gehen können," erklärt er.

Phil Blair | Bildquelle: Sabrina Fritz
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Phil Blair nerven die häufigen Stromausfälle.

Die Folge, der Stamm verrottet, der Baum fällt leichter um und reist ein Stromkabel mit sich. Der Baum-Henker heißt Pepco und ist der Stromversorger für die amerikanische Hauptstadt Washington.

Phil hat einen ziemlichen Hals auf das Unternehmen: "Wenn in meinem Kühlschrank das Essen nach drei Tagen Stromausfall verottet, interessiert das Pepco nicht," empört er sich. Fast jedes Jahr muss er ein paar Tage ohne Licht, Klimaanlage, Heizung oder Internet auskommen. Phil ist Rentner, aber immer mehr Nachbarn arbeiten von zu Hause aus. Ein Stromausfall bedeutet für sie mehr als nur eine vergammelte Tiefkühlpizza. Während der Japaner nur vier Minuten im Jahr im Dunklen sitzt, sind es in Amerika im Durchschnitt anderthalb Stunden.  

Sabrina Fritz, ARD Washington, berichtet über die Stromversorgung vor Ort
17.10.2015

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Schlechtes Wetter = schlechte Laune

William Großman weiß das alles. Er ist bei Pepco für die Stromverteilung zuständig. Großman ist ein ernster Mann, dessen Stimmung sehr vom Wetter abhängt.

Sturm und Regen bedeuten umgefallene Bäume, abgerissene Stromkabel und schimpfende Kunden. "Die Stürme werden immer heftiger, das Wetter immer schlechter und die Vorhersagen sind beängstigend", sagt er.

Firmenzentrale Pepco | Bildquelle: Sabrina Fritz
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Der Stromversorger von Washington heißt Pepco. Doch von Kritikern wird er manchmal auch "Baum-Henker" genannt.

William Großman | Bildquelle: Sabrina Fritz
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Das weiß auch William Großman. Er ist für die Stromverteilung bei Pepco zuständig. Schlechtes Wetter bedeutet für ihn viel Arbeit.

Kabel sollen unter die Erde

Darauf hat die Stadt reagiert. 60 Prozent aller Stromleitungen sollen in den nächsten Jahren unter der Erde liegen. Eine Milliarde Dollar wird das Kosten, verteilt auf die Stadt, Pepco und die Haushalte. Der Aufwand ist riesig. Straßen müssen aufgerissen werden - noch mehr Stau in der Stadt des Stillstandes.

Doch der Blackout bei jedem Windstoß kostet die amerikanische Wirtschaft inzwischen 150 Milliarden Dollar im Jahr. Durch dicke Adern fließt der Strom über die USA hinweg. Manche Leitungen hängen achtlos wie Wäscheleinen an den Häusern, andere sind verknotet wie Wollfäden oder hangeln sich wie dicke Lianen von Holzpfahl zu Holzpfahl.

Unter Putz? Nie gehört - die US-Elektro-Infrastruktur
S. Fritz, ARD Washington
17.10.2015 11:41 Uhr

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Kein Stromausfall im Weißen Haus

Es ist eine Notlösung, die der Bauweise der Amerikaner entspricht: schnell und billig. Stromverteiler Großman beschreibt die Unterschiede: "1,5 Kilometer über der Erde kosten 250.000 Dollar, unterirdisch zwischen drei und fünf Millionen Dollar."

Doch es gibt durchaus Viertel in Washington, in denen diese Investitionen getätigt wurde. Ein Gesetz aus dem 19. Jahrhundert schreibt vor, dass im Regierungsviertel die Stromleitungen unter der Erde liegen müssen. Am Kapitol oder Weißen Haus hängen keine hässlichen Stromleitungen. Einen Präsident, der plötzlich im Dunklen tappt, wollten die Amerikaner dann doch nicht riskieren. 

Der kaputte Riese - Serie zur US-Infrastruktur

Brücken brechen zusammen, Wasserleitungen bersten, tiefe Schlaglöcher: In einer Serie berichten die ARD-Studios in Washington, New York und Los Angeles über die marode Infrastruktur in den USA.

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