MOAB vor einem Test | Bildquelle: REUTERS

US-Bombe MOAB Attacke auf die afghanische IS-Zentrale

Stand: 14.04.2017 16:08 Uhr

Am Tag nach dem Abwurf zeigt sich, welchen Schaden die US-Megabombe in Afghanistan verursacht hat: 36 IS-Kämpfer wurden getötet, laut afghanischer Regierung aber keine Zivilisten. Die Attacke war mit Kabul abgesprochen. Von Ex-Präsident Karsai kam heftige Kritik.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Südasien

Solch eine große Explosion wie gestern habe er noch nie in seinem Leben gehört, sagte der Gouverneur des Regierungsbezirks Achin in der Provinz Nangarhar. Laut Verteidigungsministerium wurden 36 IS-Kämpfer durch die Bombe getötet. Es habe aber keine zivilen Opfer gegeben. Abdullah Abdullah, der Geschäftsführer der afghanischen Regierung, schrieb auf Twitter, in der Region seien keine Familien mehr gewesen, weil der IS die Gegend als Trainingsgelände benutzt habe. Zudem wurden bei dem Angriff "strategische Verstecke" der Islamisten sowie ein tief unter der Erde liegender Tunnelkomplex zerstört, teilte das Verteidigungsministerium weiter mit.

Der Abwurf der Bombe sei mit der afghanischen Regierung abgesprochen gewesen. Der ehemalige Präsident Afghanistans, Hamid Karsai, twitterte hingegen, er verurteile den Abwurf dieser Bombe aufs Schärfste: Das sei kein Krieg gegen den Terror, sondern ein unmenschlicher und brutaler Missbrauch des Landes Afghanistans als Testgelände für neue und gefährliche Waffen. Die Afghanen müssten die USA stoppen, schreibt er weiter.

Donald Trump vollzieht außenpolitische Kehrtwende
tagesthemen 23:15 Uhr, 14.04.2017, Volker Steinhoff, ARD Washington

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Treffen in Moskau

Der Angriff der US-Streitkräfte erfolgte einen Tag, bevor Russland eine multinationale Gesprächsrunde in Moskau abhält. Elf Länder, darunter Afghanistan, China, Pakistan, Iran und Indien berieten inzwischen über die Sicherheit und die nationale Einheit Afghanistans. Sie riefen die Taliban zu Friedensgesprächen auf.

Die afghanischen Taliban hatten ihre Teilnahme abgesagt. Auch die USA waren zu dem Treffen eingeladen, sagten aber ebenfalls ab, weil sie sich nicht über die Motive des Treffens im Klaren seien. US-Präsident Donald Trump möchte selbst bald eine Delegation nach Kabul schicken. Bislang sind seine Pläne für die rund 9000 amerikanischen Soldaten, die noch in Afghanistan stationiert sind, unklar.

Hunderte IS-Kämpfer im Land

Der "Islamische Staat" ist in mindestens fünf Provinzen aktiv. Wie im Nahen Osten gehen die Kämpfer mit äußerster Brutalität vor. Die Provinz Nangarhar, wo die Bombe angeworfen wurde, liegt im Osten Afghanistans, an der pakistanischen Grenze. Sie gilt als das Hauptzentrum der IS-Kämpfer. Sie betreiben dort auch einen eigenen Radiosender, um mit islamistischer Propaganda neue Kämpfer anzuwerben.

US-Militärkreise gehen von bis zu 1000 bis 1500 aktiven IS-Kämpfern aus. Mindestens genauso viele seien seit vergangenem Jahr durch militärische Operationen getötet worden. Die Mehrzahl seien ehemalige Kämpfer der pakistanischen Taliban.

Ob es direkte operative Kontakte zwischen den afghanischen IS-Kämpfern und der IS-Führung im Nahen Osten gibt, ist unklar. Doch es scheint Geld zu fließen. Westliche Militärkreise bestätigen, dass der IS in Afghanistan finanziell von der Haupt-IS-Führung unterstützt wird.

Reaktionen auf US-Bombenangriff
tagesschau 20:00 Uhr, 14.04.2017, Markus Spieker, ARD Neu-Delhi

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Megabombe MOAB

Mit fast 8200 Kilogramm Sprengstoff ist die 2003 erstmals getestete "Superbombe" der größte konventionelle Sprengkörper der US-Streitkräfte. Die nun in Afghanistan eingesetzte Bombe GBU-43 ist auch bekannt als MOAB (Massive Ordnance Air Blast). Die MOAB, nach ihrem Kürzel auch "Mutter aller Bomben" genannt, wurde für den Einsatz gegen große Truppenansammlungen und Bunkeranlagen entwickelt. Sie gilt wegen ihrer schieren Größe und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung. Die mit ihrer Hülle insgesamt 9500 Kilo schwere Bombe wird von Satelliten ins Ziel gesteuert und aus großer Höhe von einem Flugzeug abgeworfen. Allerdings kann sie nicht - wie andere Bomben - durch eine Bodenluke abgeworfen werden. Stattdessen muss sie über eine spezielle Rampe aus dem Frachtraum des Flugzeugs rutschen. Die Bombe kann eine Fläche von mehreren Fußballfeldern verwüsten.

Schiiten im Visier

Im vergangenen Jahr reklamierte der IS zahlreiche Attentate in Afghanistan für sich, viele davon auch in der Hauptstadt Kabul. Selbstmordattentäter hatten sich bei Demonstrationen oder vor Moscheen in die Luft gesprengt. Die Opfer waren fast ausschließlich schiitische Zivilisten.

Der Konflikt in Afghanistan dauert nun schon seit fast vier Jahrzehnten an, aber zuvor gab es kaum Gewalt aufgrund der Zugehörigkeit zu religiösen Gruppen. Der IS aber greift laut eigener Aussagen bewusst die schiitische Minderheit an.

US-Bombe MOAB auf afghanische IS-Zentrale
S. Diettrich, ARD Neu-Delhi
14.04.2017 12:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 20:00 Uhr.

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