Wahlmaschinen in einem Wahllokal in Las Vegas (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Kritik an US-Wahlverfahren Nachzählung eher unwahrscheinlich

Stand: 25.11.2016 18:27 Uhr

Im Wahlkampf war es Trump, der gemutmaßt hatte, es könne Wahlmanipulationen geben. Nun ist er gewählt - und nun äußern andere diesen Verdacht und fordern eine Neuauszählung. Mit welcher Begründung? Und wie sind die Erfolgsaussichten?

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Nein, sagt Jill Stein, die Präsidentschaftskandidatin der amerikanischen Grünen, es gebe nach wie vor keinen direkten Beweis für Wahlbetrug. Und trotzdem gebe es genug Gründe, die Wahlergebnisse in den umkämpften Bundesstaaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania zu überprüfen.

"Sonst finden wir sicher keinen Beweis"

"Wir wissen es eben nicht sicher - aber Computerexperten haben wichtige Fragen aufgeworfen", sagt Stein und betont, dass es ja eben Hackerangriffe im Umfeld der Wahl gegeben habe - auf Wählerlisten, Parteien und individuelle E-Mail-Accounts. Außerdem seien einige der verwendeten Geräte veraltet und deshalb unsicher gewesen. "Unser System ist anfällig, deshalb ist es sehr wichtig, dass wir das überprüfen - denn sonst finden wir sicher keinen Beweis für Hackerangriffe."

Jill Stein | Bildquelle: AFP
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Grünen-Kandidatin Stein macht sich für die Neuauszählung stark.

Wahlmaschinen in einem Wahllokal in Las Vegas (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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In vielen Staaten - wie hier in Nevada - werden Wahlmaschinen benutzt.

Auf dem Land eher Wahlzettel, in der Stadt eher Maschinen

Tatsächlich kann man Beweise wohl erst nach Ermittlungen erwarten, nicht vorher. Und trotzdem sind Experten skeptisch. Ross Douthat von der "New York Times" sagt zum Beispiel: "Es gab ja viel Gerede über die Differenz zwischen den Ergebnissen, die mit Wahlzetteln zustande gekommen sind, und denen die elektronisch erfasst wurden. Aber das erklärt sich meist darüber, dass in ländlichen Regionen eher mit Wahlzetteln gewählt wird, und in städtischen Bezirken eher elektronisch.

Sind Spenden der eigentliche Grund?

Und tatsächlich kam Trumps Erfolg in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania zwar überraschend, war aber Teil seines guten Abschneidens im Mittleren Westen insgesamt. So hat gewann er ja auch zum Beispiel in Iowa - in einem Staat, der nur Papierwahlzettel verwendet.

Experte Douthat hält es für völlig unrealistisch, dass die Wahlbeschwerde Erfolg haben könnte. Er glaubt, die ganze Aktion diene nur dazu, Spendengelder für die Grüne Partei zu sammeln.

Neuauszählung in den USA? Jill Stein hat das Geld, aber keine Beweise
Rolf Büllmann, ARD Washington
25.11.2016 16:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. November 2016 um 18:30 Uhr

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