Ein syrisches Flüchtlingskind in der türkischen Hauptstadt Istanbul. | Bildquelle: dpa

UN-Kinderhilfswerk UNICEF Fast 87 Millionen Kinder kennen nur Krieg

Stand: 24.03.2016 11:53 Uhr

Sie wachsen auf mit den Erfahrungen des Krieges - rund 87 Millionen Kinder unter sieben Jahren kennen nur ein Leben in Konfliktgebieten. Diese Zahlen veröffentlichte UNICEF und warnte: Die frühkindliche Entwicklung werde durch den Schrecken des Krieges gehemmt.

Ein unbeschwertes Aufwachsen ist gerade für die Entwicklung von Kindern in jungen Jahren besonders wichtig. Doch genau ein solches Großwerden sei für Millionen von Kindern nicht möglich, warnte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Weltweit kennen demnach 86,7 Millionen Kinder unter sieben Jahren nur das Leben in Konfliktgebieten.

"Konflikte rauben den Kindern die Sicherheit, ihre Familie, Freunde, Spiel und Routine", erklärte die leitende UNICEF-Expertin für frühkindliche Entwicklung, Pia Britto. Stattdessen seien die Kinder traumatischen Erlebnissen ausgesetzt. Dadurch drohe ihre Entwicklung - gerade im Gehirn - gehemmt zu werden. Unter den emotionalen Schäden - den "tiefen emotionalen Narben", wie Britto es ausdrückte - könnten die Kinder ihr Leben lang leiden.

Gehirn kann sich nicht richtig vernetzen

Der extreme Stress, der mit einem solchen Leben verbunden sei, bremse die Vermehrung der Gehirnzellen und damit auch die Lernfähigkeit, sagt Britto. "Gerade in den ersten Lebensjahren werden täglich 10.000 Neuronen im Gehirn gebildet, die sich wiederum mit 10.000 anderen Neuronen vernetzen", fügte der Sprecher von UNICEF, Rudi Tarneden, hinzu. Diese Verknüpfung sei wichtig, um etwa positives Denken zu erlernen.

Rudi Tarneden, UNICEF, zur Entwicklung von Kindern im Krieg
tagesschau24 11:15 Uhr, 24.03.2016

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Die einfachste Möglichkeit, um die Kinder zu schützen, scheint die Flucht aus den Krisengebieten und damit vor der Gewalt. Doch die meisten Menschen müssten in den Konfliktgebieten bleiben, sagte Tarneden weiter. Man erlebe bei Kindern in diesen Regionen eine "erstaunliche Tapferkeit und Resistenz". Doch dahinter verberge sich "der Verlust von Vertrauen und Zuversicht". Ein Verlust, der im späteren Leben zu einem erhöhten Potenzial für Gewaltbereitschaft führen könne.

"Kinderzonen" sollen Entwicklung fördern

Die Mitarbeiter des Kinderhilfswerkes versuchen, in den Kriegsgebieten durch das Einrichten sogenannter "Kinderzonen" zu helfen, sagte Tarneden weiter. In diesen Zonen könnten die Kinder an frühkindlichen Spiel- und Lernangeboten teilnehmen. Inzwischen seien die Angebote bereits für Hunderttausende Kinder im Nahen Osten ausgebaut worden.

Daher forderte Tarneden, dass mehr in diese psychosomatische Hilfe investiert werden müsse. "Es geht nicht mehr nur um Wasser und Decken", betonte der UNICEF-Sprecher. Denn: "Jedes Kind ist nur ein Mal Kind."

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