Mögliche Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten Hunderte Kinder im Südsudan entführt?

Stand: 01.03.2015 17:32 Uhr

89 Kinder seien im Südsudan entführt worden - diese Meldung sorgte vor knapp zwei Wochen für Aufsehen. Inzwischen fürchtet Unicef, dass sogar mehrere hundert Jungen verschleppt wurden. Und auch die Verantwortlichen scheinen klar zu sein.

Kindersoldaten im Südsudan | Bildquelle: AFP
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Im Südsudan setzen die Konftliktparteien Tausende Kindersoldaten ein.

Die Zahl der im Bürgerkriegsland Südsudan entführten Schuljungen liegt wohl deutlich höher als angenommen. "Wir gehen nun davon aus, dass es sich um hunderte Kinder handelt", teilte das UN-Kinderhilfswerks Unicef mit. Zunächst war von 89 Jungen die Rede gewesen.

Augenzeugen der Massenentführung Mitte Februar in der Stadt Wau Shilluk in einem Gebiet im nördlichen Bundesstaat Upper Nile hatten berichtet, dass bewaffnete Soldaten die Gemeinde umzingelt hätten und von Haus zu Haus gegangen seien, um alle Jungen über zwölf Jahren gewaltsam herauszuholen. Nach anderen Berichten wurden viele von ihnen aus einer Schule heraus entführt.

Verantwortliche offenbar bekannt

Es sei nach zweiwöchigen Ermittlungen wahrscheinlich, dass die Jungen von einer regierungstreuen Miliz entführt worden seien, so Unicef weiter. Diese Gruppe werde von Johnson Oloy angeführt, der einst gegen die Regierung gekämpft habe, sich aber 2013 der nationalen Armee angeschlossen habe. Oloy und seine Miliz kontrollieren das Gebiet, in dem die Kinder entführt wurden. Ein Regierungssprecher hatte die jüngsten Verschleppungen scharf verurteilt und erklärt, die Regierung dulde keinen Einsatz von Kindersoldaten. Unklar ist allerdings, wie viel Einfluss die Regierung auf Oloy und seine Miliz hat.

Konfliktparteien setzen 12.000 Kindersoldaten ein

Unicef schätzt, dass die beiden Konfliktparteien im Südsudan mindestens 12.000 Kindersoldaten einsetzen. Seit Dezember 2013 versinkt der Südsudan im Chaos. Damals eskalierte in dem erst zwei Jahre zuvor unabhängig gewordenen Land der Kampf um die politische Macht. Immer wieder kommt es zu Kämpfen, weil die Regierungstruppen versuchen, eine vom ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar angeführte Rebellion zu unterdrücken.

Dabei stehen sich Soldaten von der größten Volksgruppe der Dinka - der Präsident Salva Kiir angehört - und Kämpfer des Nuer-Clans von Machar gegenüber. Es geht in der Auseinandersetzung auch um die Kontrolle der Ölvorkommen im Land. Friedensgespräche zwischen den Kriegsparteien sollen Ende Februar wieder aufgenommen werden.

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