Eine Familie aus Afghanistan kommt in München an.  | Bildquelle: dpa

Hunderte Flüchtlinge in Bayern eingetroffen "We love you, Germany"

Stand: 01.09.2015 01:56 Uhr

Mehrere Züge mit Flüchtlingen haben am Abend und in der Nacht Bayern erreicht. Nach Polizeiangaben kamen allein in München bis Mitternacht 500 bis 600 Schutzsuchende an. Die Stimmung am Hauptbahnhof sei ruhig bis euphorisch gewesen. Bürger begrüßten die Reisenden mit Wasser und Lebensmitteln.

Hunderte Flüchtlinge sind am Abend und in der Nacht mit Zügen aus Ungarn und Österreich nach Bayern gekommen. Zuvor hatte die ungarische Polizei am größten Budapester Bahnhof überraschend aufgehört, Flüchtlinge am Besteigen der Züge Richtung Westen zu hindern.

Im ersten der Züge waren am Abend rund 400 Flüchtlinge. In Rosenheim stoppte die Bundespolizei den Zug und brachte 190 der Flüchtlinge zur Registrierung in eine ehemalige Kaserne. Etwa 200 weitere konnten nach München weiterreisen. Sie wurden nach der Ankunft in einer Nebenhalle registriert. Am Abend erreichten noch weitere Züge mit Flüchtlingen den Münchner Hauptbahnhof. Die Stimmung am Bahnhof sei "ruhig" bis "euphorisch" gewesen, sagte ein Sprecher. Viele Flüchtlinge hätten bei ihrer Ankunft "Thank you, Germany" oder "We love you, Germany" gerufen. Auch Bürger waren vor Ort und begrüßten die Flüchtlinge mit Wasser und Lebensmitteln.

Züge aus Budapest erreichen Bayern
nachtmagazin 00:15, 01.09.2015, Alf Meier, BR

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Die Polizei schätzt, dass bis Mitternacht zwischen 500 und 600 Flüchtlinge in München angekommen sind. Einige seien direkt registriert worden, andere wurden mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. Ob in der Nacht noch weitere Regionalzüge mit Flüchtlingen eintreffen, war zunächst unklar. Einem örtlichen Polizeisprecher zufolge ist es nicht unüblich, dass pro Tag etwa 500 Flüchtlinge in München ankommen.

EU-Kommission ermahnt Ungarn

Nach Angaben der Hilfsorganisation Migration Aid saßen bisher auf Budapester Bahnhöfen rund 2000 Asylbewerber fest, weil ihnen das offenbar überforderte Einwanderungsamt keine Lager mehr zuwies. Nach der Dublin-Verordnung ist derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Die EU-Kommission ermahnte Ungarn, europäisches Recht einzuhalten und alle ankommenden Flüchtlinge mit Fingerabdrücken zu registrieren.

Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus den Kriegsgebieten Syriens, Nordiraks und aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber auch vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht. Speziell für sie eröffnet Bayern heute das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge. In einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt sollen künftig 500 Flüchtlinge aus Südosteuropa untergebracht werden. Durch enge Zusammenarbeit der Behörden sollen die Verfahren deutlich schneller als bisher abgewickelt werden. Ziel ist es, abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzuschicken.

Der Beschluss des Münchner CSU-Kabinetts vom Juli hatte bundesweit Kritik hervorgerufen. Nach der offiziellen Prognose der Bundesregierung werden in diesem Jahr in Deutschland 800 000 Asylbewerber erwartet. Auch die Regierung will Flüchtlinge ohne Anerkennungschance von vornherein von Deutschland fernhalten oder sie schnell abschieben, um Kapazitäten für eine schnelle Integration der Bleibeberechtigten zu schaffen.

Polen will bald eine neue Zusage machen

Polen kündigte derweil an, womöglich mehr Flüchtlinge aufzunehmen als bislang geplant. Angesichts "des immer größeren Flüchtlingsandrangs in Europa" müsse die Verteilung der Migranten neu überprüft werden, sagte Ministerpräsidentin Ewa Kopacz in Danzig. Polen hatte sich zur Aufnahme von 2200 Flüchtlingen bereiterklärt, die EU-Partner verlangen aber ein deutlich größeres Engagement. Polen werde bald eine neue Zusage machen, die aber "im Einklang stehen muss mit unseren Möglichkeiten", erklärte Kopacz mit Blick auf Unterkunfts- und Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Polen.

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