Ein Kind schaut in die Kamera | Bildquelle: AFP

UN warnen vor Hungerkrise Eine Tragödie, die keine Katastrophe werden darf

Stand: 23.02.2017 02:59 Uhr

Im Südsudan, in Somalia, im Jemen und im Nordosten Nigerias droht eine Katastrophe - denn 20 Millionen Menschen in diesen Ländern sind akut von Hunger bedroht. Entsprechend dramatisch war der Appell, den UN-Generalsekretär Guterres an die Welt richtete.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Was für ein Podium, sagt ein Journalist beeindruckt: Tatsächlich reichen auf der Bühne die Sitzplätze nicht für alle aus. Für UN-Generalsekretär Antonio Guterres also, für Stephen O'Brien, Chef des UN-Nothilfeprogramms, für Helen Clark vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP, für das Kinderhilfswerk UNICEF, das Welternährungsprogramm und auch noch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO.

UN-Generalsekretär Guterres | Bildquelle: dpa
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UN-Generalsekretär Guterres (Mitte) richtet einen eindringlichen Appell an die Welt. Bis zu 20 Millionen Menschen sind Nigeria, Südsudan, Somalia und dem Jemen vom Hunger bedroht.

Guterres sagt, der ungewöhnliche gemeinsame Auftritt hochkarätiger UN-Vertreter sei die Antwort auf eine humanitäre Krise, die bereits morgen explodieren könne: Er warnt vor eine Katastrophe in den vier höchst unterschiedlichen Ländern Nigeria, Südsudan, Somalia und Jemen. Bereits jetzt litten dort 20 Millionen Menschen Hunger oder stünden am Wendepunkt zu einer Hungersnot im kommenden Halbjahr. Das entspricht jedem vierten Deutschen. Erst am Vortag hatte das Kinderhilfswerk UNICEF gewarnt, dass 1,4 Millionen Kindern in der Region der Hungertod drohe: "Ein Grund ist Konflikt. Und dann: Dürren. Verstärkt durch Klimawandel. Wir hatten immer schon Dürren und Wüstenbildung. Aber Klimawandel wirkt als Hauptverstärker für diese Faktoren."

Viel Geld muss her - und das schnell

Deshalb werben die Vereinten Nationen bei dieser Pressekonferenz um Geld - viel Geld. 5,6 Milliarden Dollar, davon allein 4,4 Milliarden bis Ende März. Das wären - rein rechnerisch - 120 Millionen Dollar pro Tag. Ein enormer Betrag, doppelt so hoch wie das Jahresbudget allein der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO . Aber Millionen Menschen schafften es kaum zu überleben - in dem engen Raum zwischen Unterernährung und Tod, sagt der UN-Generalsekretär.

Unterernährtes Kind wird in einer Unicef-Einrichtung im Südsudan untersucht. | Bildquelle: dpa
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Ein unterernährtes Kind im Südsudan. 1,4 Millionen Kindern droht der Hungertod, berichtet UNICEF.

Noch allerdings sei das Schlimmste vermeidbar. UN-Nothilfe Koordinator Stephen O’Brien ergänzt, genau deshalb warne man zu einem frühen Zeitpunkt: "Diese Hungersnöte können noch abgewendet werden. Die Lehre von Somalia 2011 ist die: Als damals die Welt offiziell die Hungersnot ausrief, war bereits die Hälfte all derjenigen gestorben, die insgesamt umkamen. Deshalb läuten wir schon jetzt die Alarmglocken."

Damals starben über eine Viertelmillion Menschen. Wenigstens dort sei die Lage heute grundsätzlich eine andere, sagt die per Video zugeschaltete Direktorin des Welternährungsprogramms: "Somalia hat heute im Vergleich zu 2011 eine funktionierende Regierung, funktionierende Märkte."

Die Vereinten Nationen brauchten Geld - und Zugang zu den Krisenregionen. Der aber ist etwa im Bürgerkriegsland Südsudan kaum gegeben. Erst im Dezember hatte sich der UN-Sicherheitsrat nicht auf ein Waffenembargo einigen können. Seit Wochenanfang gilt dort nun nach den Kriterien des Welternährungsprogramms eine Hungersnot für zwei Gebiete. Man müsse nun alles geben, damit aus einer Tragödie keine Katastrophe werde, so UN-Generalsekretär Guterres.

"Verhindern, dass Tragödie zur Katastrophe wird": Milliardenappell der UN
K. Clement, ARD New York
23.02.2017 06:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2017 um 03:08 Uhr.

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