Videoaufzeichnungen zeigen den Moment, in dem Praljak das Gift schluckt. | Bildquelle: AFP

Selbstmord im UN-Gerichtssaal Ein Gifttod und viele Fragen

Stand: 29.11.2017 21:07 Uhr

War es Protest? Oder die Angst vor weiteren Jahren in Haft? Der Tod des Ex-Militärchefs Slobodan Praljak hinterlässt viele Fragen. Der 72-Jährige war von den UN als Kriegsverbrecher verurteilt worden und hatte nach dem Schuldspruch Gift geschluckt.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Wie hat Slobodan Praljak das Gift in den Gerichtssaal schmuggeln können? Oder hat ein anderer Prozessteilnehmer ihm das Mittel zugesteckt? Und was für eine Flüssigkeit hat der 72-Jährige überhaupt geschluckt? Es bleiben viele Fragen nach dem Selbstmord des ehemaligen Kommandeurs der bosnisch-kroatischen Armee. Fragen, auf die nun andere eine Antwort finden müssen, sagt Gerichtssprecher Nead Golcevski: "Gemäß der Vorschriften und auf Bitten des Gerichts haben die niederländischen Behörden unabhängige Ermittlungen aufgenommen, die noch andauern. Das Gericht spricht den Angehörigen sein Beileid aus."

Dramatisches Ende des Jugoslawien-Tribunals
tagesthemen 22:15 Uhr, 29.11.2017, Christian Feld/ Judith Wedel, WDR

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"Ich bin kein Kriegsverbrecher"

Nachdem die Berufungskammer des Jugoslawientribunals die erstinstanzliche Haftstrafe von 20 Jahren für Praljak bestätigt hatte, protestierte der Angeklagte lautstark. Er sei kein Kriegsverbrecher, rief er den Richtern zu, das Urteil sei falsch. Völlig überraschend griff er dann zu einem kleinen braunen Fläschchen, legte den Kopf in den Nacken und schluckte den Inhalt herunter. Das sei Gift, erklärte er auf kroatisch, was von einer Dolmetscherin und einer Anwältin übersetzt wurde. Daraufhin unterbrach der Vorsitzende Richter Agius die Sitzung.

Praljak sei dann sofort behandelt und durch den medizinischen Stab des Gerichts versorgt worden, sagt Tribunalsprecher Golcevski. Anschließend wurde Paljak zur weiteren Behandlung in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, wo er starb.

Kroatien sieht in Urteil "moralische Ungerechtigkeit"

Kroatiens Regierungschef Andrej Plenkovic kritisierte den Schuldspruch für Praljak und fünf weitere Angeklagte scharf. Er kündigte mögliche rechtliche Schritte seines Landes gegen Teile des Urteils an. "Im Namen der kroatischen Regierung und in meinem Namen drücke ich der Familie von General Slobodan Praljak mein tiefstes Beileid aus. Das er sich während des Urteilsspruchs das Leben genommen hat, zeugt von tiefer moralischer Ungerechtigkeit gegenüber den sechs Kroaten aus Bosnien und gegenüber dem kroatischen Volk", teilte Plenkovic mit.

Praljak bereits seit 13 Jahren in U-Haft

Wegen ihrer Beteiligung an Verbrechen, die kroatische Militärs Anfang der 1990er-Jahre muslimischen Zivilisten in Bosnien angetan hatten, waren die sechs Angeklagten bereits 2013 zu Haftstrafen von zehn bis 25 Jahren verurteilt worden. In dem Prozess, der schon 2006 begonnen hatte, ging es um Mord, Verfolgung, Vertreibung, Vergewaltigung und die Zerstörung ganzer Städte und religiöser Gebäude. In Erinnerung geblieben ist bis heute die Zerstörung der historischen Brücke von Mostar.

Die Berufungskammer des Tribunals hat alle sechs Urteil bestätigt. Slobodan Praljak hätte aber allenfalls für einige wenige Jahre ins Gefängnis gemusst, weil er bereits seit 13 Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Zu den vielen Fragen, die noch offen sind, gehört also auch die: Warum er den Suizid überhaupt begangen hat.

Ermittlungen nach dem Gift-Selbstmord vor dem UN-Tribunal
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
29.11.2017 19:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. November 2017 um 20:00 Uhr.

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