Ein Mann fährt auf einem Elektroroller über eine von Smog eingehüllte Straße | Bildquelle: REUTERS

Studie zur Umweltverschmutzung Giftige Böden, dreckige Luft - Millionen Tote

Stand: 20.10.2017 00:30 Uhr

Jeder sechste Todesfall weltweit ist bedingt durch Verschmutzung von Luft, Wasser oder Boden. Zu dieser Schätzung kommt eine neue Studie. Zwar sind vor allem ärmere Länder betroffen - aber auch in Deutschland lassen sich die Wirkungen nachweisen.

Von Christian Feld und Martin Gent, WDR

Die Gefahr lauert an vielen Orten: In Industriebetrieben sind Arbeiter aggressiven Chemikalien ausgesetzt. Menschen leben jahrelang dicht an mehrspurigen Straßen. Kinder spielen ohne Schuhe auf verseuchtem Boden. Sie alle müssen Umweltverschmutzungen ertragen. Auf deren gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Folgen will die Lancet Commission on Pollution and Health mit ihrer neuen Studie hinweisen. Zwei Jahre lang haben mehr als 40 Experten daran gearbeitet.

Studie: Jeder sechste Todesfall durch Umweltverschmutzung bedingt
tagesschau 12:00 Uhr, 20.10.2017, Svea Eckart, NDR

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Wissenschaftlich fundierte Schätzungen

Auch wenn in offiziellen Dokumenten als Todesursache Lungenkrebs, Herzkrankheit oder Schlaganfall eingetragen ist: Laut Studie stehen neun Millionen Todesfälle - jeder sechste weltweit - in Verbindung mit der Verschmutzung von Luft, Wasser oder Boden. Es handelt sich um wissenschaftlich fundierte Schätzungen, denn ein exakter Nachweis ist extrem schwierig bis fast unmöglich. Häufig stirbt ein Mensch erst Jahre, nachdem er einer Verschmutzung ausgesetzt war.

Die Forscher nennen ihre Arbeit eine konservative Schätzung, vermutlich sei die Zahl noch deutlich höher. Richard Fuller, Gründer der Organisation Pure Earth und einer der Studien-Koordinatoren, sagt im Gespräch mit tagesschau.de: "Wir haben es mit einem wirklich großen Problem zu tun, dem aber die Aufmerksamkeit fehlt. Das wollen wird ändern."

Zu den gesundheitlichen kommen auch die wirtschaftlichen Folgen. Die beziffert die Studie auf 4600 Milliarden US-Dollar, das sind gut sechs Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Ein Mann schützt sich mit einem vorgehaltenen Tuch vor dem Smog.
galerie

Neu-Delhi 2015: Ein Mann schützt sich vor der beißenden Luft mit einem Tuch.

Größte Gefahr durch Luftverschmutzung

Laut Studie geht die größte Gefahr mit 6,5 Millionen jährlichen Toten von Luftverschmutzung aus. Die entsteht durch Automotoren, große Industrieanlagen - aber auch durch einfache Öfen, bei denen Holz oder Kohle verfeuert werden. Auch durch die Folgen verschmutzten Wassers oder von gesundheitsgefährdenden Bedingungen am Arbeitsplatz - etwa in Kohleminen oder asbestverseuchten Fabriken - sterben Millionen Menschen.

Fast alle (92 Prozent) dieser Fälle treten in Ländern mit mittlerem oder geringem Einkommensniveau auf. Besonders stark betroffen sind Regionen, in denen Entwicklung und Industrialisierung schnell voran schreiten: Indien, Pakistan, China oder Bangladesch. In Ländern wie Deutschland sind Umweltstandards zwar höher, aber auch hier lassen sich Wirkungen nachweisen.

Und: Die Probleme machen nicht an Grenzen Halt. Richard Fuller von Pure Earth berichtet von einer Messung in Los Angeles: 20 Prozent der Luftverschmutzung kam - wissenschaftlich nachweisbar - aus China.

Appell: den Schwächsten helfen

Die Verschmutzung hat tödliche Folgen vor allem für die Armen und Schwachen einer Gesellschaft. Das gilt für Flüchtlinge im Kosovo, deren Lager auf bleiverseuchtem Boden steht. Ein anderes Beispiel sind Einwohner von New York City, die sich eine Wohnung nur in der Nähe von großen Busdepots leisten können. Besonders Kinder leiden unter der Umweltverschmutzung.

Aus Sicht der Studien-Autoren sind die drastischen Folgen der Umweltverschmutzung noch immer ein Randthema. Mit ihrem Bericht appellieren sie an Regierungen weltweit, endlich zu handeln. Denn Richard Fuller von Pure Earth hält die Probleme für lösbar - selbst kurzfristig: "Es gibt bewährte Strategien, wie Umweltverschmutzung kurzfristig kontrolliert werden kann." Man könne "produktiv sein, ohne dass wir uns und unsere Kinder vergiften."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2017 um 05:30 Uhr.

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