Michael Saakaschwili | Bildquelle: AFP

Abschiebung aus Ukraine Saakaschwili in den Niederlanden

Stand: 14.02.2018 15:47 Uhr

Nach seiner Abschiebung aus der Ukraine will sich der georgische Ex-Präsident Saakaschwili in den Niederlanden niederlassen. In der Ukraine und in Georgien liegen Anklagen gegen ihn vor.

Der ehemalige georgische Staatschef Michail Saakaschwili ist in den Niederlanden angekommen und will sich in Amsterdam niederlassen. Das teilte sein Anwalt Oscar Hammerstein mit.

Er habe bei der niederländischen Einwanderungsbehörde einen Antrag auf Familiennachzug gestellt. Saakaschwili ist mit der Niederländerin Sandra Roelofs verheiratet, die in Georgien ebenfalls als Politikerin aktiv war und als Abgeordnete kandidiert hatte.

Saakaschwili war am Montag von Spezialkräften in Kiew festgenommen und per Flugzeug nach Polen abgeschoben worden, weil er von dort im September illegal in die Ukraine eingereist war, wie der ukrainische Grenzschutz zur Begründung erklärte.

Aus Studienfreunden wurden Feinde

Saakaschwili klagte zugleich in der Ukraine gegen seine Ausweisung, für die er den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko verantwortlich macht.

Saakaschwili und Poroschenko waren einst Studienfreunde. Poroschenko lud den Georgier 2015 in die Ukraine ein, um Gouverneur von Odessa zu werden. Als Saakaschwili den Posten annahm, verlor er seine georgische Staatsbürgerschaft.

Doch Ende 2016 überwarf sich Saakaschwili mit Poroschenko, dem er Korruption vorwirft. Er trat als Gouverneur zurück und gründete eine Oppositionspartei. Poroschenko entzog ihm daraufhin vergangenes Jahr die ukrainische Staatsbürgerschaft.

Das löste Proteste in der Ukraine aus. Als Saakaschwili im Dezember das erste Mal festgenommen wurde, befreiten ihn Anhänger aus einem Gefangenentransporter. Doch seine Oppositionspartei findet in Umfragen wenig Unterstützung.

Saakaschwili - Gouverneur von Odessa mit Präsident Poroschenko
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Aus den einstigen Verbündeten Poroschenko und Saakaschwili wurden erbitterte Gegner.

Anklagen in der Ukraine und Georgien

Die ukrainische Staatsanwaltschaft wirft Saakaschwili einen Putschversuch vor. Er habe regierungsfeindliche Proteste mit finanzieller Hilfe aus dem Umfeld des 2014 nach Russland geflohenen Präsidenten Viktor Janukowitsch organisiert.

Zudem wurde der ehemalige Präsident Georgiens Anfang Januar in seinem Heimatland in Abwesenheit verurteilt. Wegen Machtmissbrauchs soll er drei Jahre ins Gefängnis. Zudem liegen drei weitere Anklagen gegen ihn vor. Die georgische Regierung hat einen Auslieferungsantrag für Saakaschwili gestellt. Unklar ist, ob die georgische Regierung seine Auslieferung fordern wird.

Während seines Aufenthalts in Polen sagte Saakaschwili einem Reporter: "Mein Kampf findet in der Ukraine und in Georgien statt. Ich kämpfe bis zum Ende."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Februar 2018 um 14:30 Uhr.

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