Paul Nuttall | Bildquelle: AFP

Großbritannien Nuttall soll UKIP wieder einen

Stand: 28.11.2016 16:00 Uhr

Der Schatten von Nigel Farage ist lang, doch Paul Nutall will ihm jetzt folgen. Er wird neuer Parteichef der britischen Rechtspopulisten, bei denen Farage im Sommer zurückgetreten war, die er dann aber dennoch übergangsweise wieder geführt hatte.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Er ist der Mann, der UKIP nach den heftigen innerparteilichen Querelen der vergangenen Monate wieder einen soll: Paul Nuttall. Der Politiker stammt aus dem Norden Englands, sitzt seit 2009 für die EU-Feinde im Europaparlament und wird übermorgen 40 Jahre alt. Nuttall versprach in seiner kurzen Antrittsrede heute in London einen Neuanfang für die zerstrittene Anti-EU-Partei

Es sei nicht nur ein Lippenbekenntnis, so Nuttall, dass er die verschiedenen UKIP-Fraktionen zusammenbringen wolle. Sechs Jahre lang war er unter Nigel Farage Vize-Parteichef - und galt als Favorit für dessen Nachfolge. Nuttall setzte sich in der Urwahl der Parteibasis klar gegen seine beiden Gegenkandidaten durch, mit mehr als 60 Prozent der Stimmen. Er will jetzt die konservative Regierung unter Druck setzen, den Brexit schnell und umfassend umzusetzen.

Paul Nuttall | Bildquelle: AFP
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Nuttals Ziel: UKIP zur patriotischen Stimme der Arbeiter machen.

Wildern in den Gefilden von Labour

"Eine Minimalversion des EU-Austritts", warnte Nuttall, "wäre Betrug am erklärten Willen des britischen Volkes". Bislang hat UKIP vor allem den Konservativen im Süden Englands Stimmen weggenommen. Zunehmend wildern die Rechtspopulisten aber auch in den Gefilden der Labour Party - vor allem im Norden Englands, der Heimat des neuen UKIP-Vorsitzenden.

Nuttall sagte denn auch Labour den Kampf an: Er wolle UKIP zur patriotischen Stimme der Arbeiter machen. Viele traditionelle Labour-Anhänger hatten am 23. Juni für den Brexit gestimmt. Sein Vorgänger Farage hatte die Partei in den vergangenen Wochen wieder übergangsweise geführt, nachdem Diane James als UKIP-Chefin überraschend zurückgetreten war - nach nur 18 Tagen an der Spitze. Sie hat die Partei inzwischen ebenso verlassen wie ein weiterer Europa-Abgeordneter, der sich im Straßburger Parlament mit einem UKIP-Kollegen geprügelt hatte.

Turbulenzen hinter sich lassen

Farage gestand heute ein, dass die Partei keine besonders tollen Monate hinter sich habe. Trotzdem habe der Zuspruch für UKIP in den Umfragen darunter nicht gelitten, freute sich der bisherige Vorsitzende. Farage selbst will Europaparlamentarier bleiben und EU-feindliche Parteien unterstützen - bei den Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland. Erst der Brexit, dann die Wahl Donald Trumps habe demonstriert, so Farage wörtlich, dass das "verfaulte liberale Establishment" zu schlagen sei.

Nigel Farage und Donald Trump | Bildquelle: AP
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Nigel Farage und Donald Trump - zwei die einander schätzen.

Großbritannien wieder großartig machen

Farage hatte den künftigen US-Präsidenten kurz nach dessen Wahl in New York besucht. Auch der neue UKIP-Chef Paul Nuttall bediente sich heute bei Trumps Slogan "Make America Great Again". Seine Ambition: Britannien werde - dank UKIP - wieder groß werden. Zurzeit hat UKIP 20 Europaabgeordnete, aber - wegen des britischen Mehrheitswahlrechts - nur einen Sitz im Unterhaus in London, obwohl die Partei bei der Wahl 2015 auf einen Stimmenanteil von fast 13 Prozent kam.

Neuer UKIP-Chef: Paul Nuttall folgt Nigel Farage
S. Pieper, ARD London
28.11.2016 15:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. November 2016 um 14:23 Uhr.

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