Unfallstelle in Tempe | Bildquelle: AP/ABC-15

Unfall mit autonomem Auto Experten sehen Hinweise auf Technikversagen

Stand: 22.03.2018 13:51 Uhr

Nach dem tödlichen Unfall durch ein autonomes Auto hatte die Polizei zunächst Uber in der Schuldfrage entlastet. Ein Video wirft nun aber die Frage auf, ob Technik und Sicherheitsfahrer doch versagt haben.

Haben selbstfahrende Autos eine Zukunft? In der Diskussion über deren Sicherheit spielt der Unfall in Arizona vor vier Tagen eine wichtige Rolle. Denn Befürworter von Roboterautos argumentieren, dass etwa 90 Prozent der Verkehrsunfälle auf Fehler von Menschen zurückgingen und die Technik autonomer Fahrzeuge sie künftig verhindern werde.

Die Frage, wie es zu dem Unfall in Tempe kam und ob er vermeidbar gewesen wäre, ist daher für die Branche von großer Bedeutung. Schließlich war es ein autonomes Auto des Fahrdienst-Vermittlers Uber, das eine 49-jährige Frau erfasste, die ein Fahrrad über die Straße schob. Die Frau starb an ihren Verletzungen. Uber stellte daraufhin alle Fahrten seiner Roboterwagen ein.

selbstfahrendes Auto von Uber | Bildquelle: dpa
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Die autonomen Uber-Autos sind dafür gedacht, ohne Beteiligung des Menschen zu fahren, auch wenn derzeit die Sicherheitsfahrer noch häufig eingreifen.

Laserradar hätte Frau erkennen müssen

Videoaufnahmen werfen nun Fragen nach einem Versagen der Technik und mangelnder Aufmerksamkeit des Sicherheitsfahrers auf. Darin ist zu sehen, dass die von dem Uber-Auto erfasste Frau die mehrspurige Fahrbahn von links nach rechts überquerte und damit eigentlich von dem Laserradar des Roboterwagens hätte erkannt werden müssen.

Das Fahrzeug versuchte jedoch nach bisherigen Angaben der Polizei nicht abzubremsen oder auszuweichen. Der von der Polizei veröffentlichte Clip bricht unmittelbar vor dem Aufprall ab.

War der Sicherheitsfahrer abgelenkt?

In einem zweiten Videofragment, das den Innenraum des Wagens zeigt, scheint Ubers Sicherheitsfahrer die meiste Zeit auf etwas unterhalb des Armaturenbretts zu schauen und nur gelegentlich den Blick auf die Fahrbahn zu richten. Erst im Moment des Aufpralls blickt er nach oben und erschrickt.

Experten sehen Hinweise für Technikversagen

Experten zeigten sich überrascht davon, dass der Wagen trotz seiner vielen Sensoren nicht reagiert zu haben scheint. "Das Video zeigt eindeutig, dass die Passantin nicht erkannt wurde, nicht mal, als sie bereits vor dem Auto stand. Alles deutet auf Versagen der Uber-Sensorik und -Programmierung hin", sagte Raúl Rojas, Leiter des Dahlem Center for Intelligent Systems an der Freien Universität Berlin, dem Science Media Center. "Herkömmliche Notstop-Systeme hätten bei modernen Autos in dieser Situation wohl eingegriffen."

Auch der Leiter des Instituts für Mess- und Regelungstechnik am Karlsruher Institut für Technologie, Christoph Stiller, betonte, die Laser- und Radarsensoren arbeiteten "unabhängig vom Tageslicht und hätten die Fußgängerin mit ihrem geschobenen Rad selbst noch bis in 100 Metern Entfernung detektieren müssen". Die erste Einschätzung der Polizei, dass er Unfall unvermeidbar erschien, werde von dem Video in Frage gestellt.

Erste Polizeieinschätzung in Frage gestellt

Die Polizei hatte nach dem Unfall berichtet, die getötete Frau sei "direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten". Die Polizeichefin von Tempe, Sylvia Moir, sagte der Zeitung "San Francisco Chronicle", es sei klar, "dass dieser Zusammenstoß in jedem Modus, ob autonom oder manuell, schwer zu verhindern gewesen wäre".

Zugleich sei der nächste Fußgängerübergang knapp 100 Meter entfernt gewesen. "Ich gehe vorläufig davon aus, dass es so scheint, dass Uber wahrscheinlich keine Schuld an diesem Unfall trägt." Die Polizei von Tempe erklärte später, für diese Frage sei die Staatsanwaltschaft zuständig.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA und die Unfallermittlungsstelle NTSB hatten angekündigt, eigene Teams nach Tempe zu entsenden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2018 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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