Die schwedische Journalistin Kim Wall steht auf dem privaten U-Boot "UC3 Nautilus" | Bildquelle: AFP

Gesunkenes dänisches U-Boot Das Rätsel um die verschwundene Journalistin

Stand: 14.08.2017 17:11 Uhr

Eine mysteriöse Geschichte: Eine schwedische Journalistin fährt mit einem dänischen Tüftler auf dessen selbst gebautem U-Boot. Plötzlich verschwindet sie, ohne jede Spur. Das U-Boot kentert, der Kapitän wird verhaftet.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Seit Sonnenaufgang sind wieder Rettungsboote südlich von Kopenhagen unterwegs. Hubschrauber mit Wärmebildkameras überfliegen die Gegend. Und auch an den Ufern suchen Trupps nach Kim Wall. Doch noch immer fehlt jede Spur von der 30 Jahre alten schwedischen Reporterin, die Donnerstag an Bord der "UC3 Nautilus" gegangen war, bevor das mit knapp 18 Metern Länge weltweit größte privat gebaute und betriebene U-Boot am Freitag unter rätselhaften Umständen sank.

Fahrlässige Tötung - ohne Leiche?

Seit dem Wochenende sitzt der Kapitän, Konstrukteur und Eigner Peter Madsen in Untersuchungshaft. Er ist ein in Dänemark bekannter Tüftler, der auch schon mit Raketen experimentiert hat. Mit dem Verschwinden der Journalistin will Madsen aber nichts zu tun und sie noch Donnerstagnacht auf einer Insel im Hafen der dänischen Hauptstadt abgesetzt haben.

Der Däne Peter Madsen vor seinem selbstgebauten U-Boot
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2008 steht Peter Madsens U-Boot am Hafen von Kopenhagen.

Madsens Anwältin äußerte sich dazu vor der Presse: "Das Ganze hat ihn sehr erschüttert und er will der Polizei natürlich helfen, so gut er kann." Der Haftrichter habe nicht den geringsten Hinweis auf einen Mord erkannt, so die Anwältin. "Aber er verdächtigt meinen Mandanten der fahrlässigen Tötung, deshalb die U-Haft. Mehr kann ich zurzeit dazu nicht sagen."

Keine Spuren auf der "UC3 Nautilus"

Nach dänischem Recht kann Madsen bis zu 24 Tage - also bis Anfang September - festgehalten werden. Die Polizei hofft, den mysteriösen Fall bis dahin aufklären zu können und vor allem natürlich die vermisste Journalistin zu finden. Offenbar rechnet man aber nicht mehr damit, dass sie noch am Leben ist.

Das am Wochenende gehobene U-Boot wird weiterhin von Kriminaltechnikern gründlichst auf mögliche Spuren eines Gewaltverbrechens untersucht, sagte der Chef der Kopenhagener Mordkommission, Jens Moeller: "Wir betrachten das Boot weiterhin als möglichen Tatort. Das bedeutet, dass die Spurensicherung wirklich sehr gründlich arbeiten muss".

"Vielleicht ist sie an Land gegangen"

Bisher hat man aber wohl keine Spuren gefunden, weder von einem möglichen Kampf an Bord, noch von der 30-Jährigen selbst. "Es war niemand mehr an Bord. Wir müssen also weiter nach Kim Wall suchen, sie gilt offiziell als vermisst", sagt Kommissar Moeller. Vielleicht sei sie tatsächlich irgendwo an Land gegangen und noch am Leben: "Deshalb müssen wir dringend mit Menschen sprechen, die etwas über sie wissen, über ihre Pläne."

Die schwedische Journalistin Kim Wall | Bildquelle: dpa
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Von der schwedischen Journalistin Kim Wall fehlt jede Spur.

Die Familie der 30-Jährigen hofft weiter auf ein gutes Ende, ist laut Pressemitteilung aber auch auf ein tragisches vorbereitet - wofür die mysteriösen Umstände ihres Verschwindens und der rätselhafte Untergang des Boots zumindest nach Analysen dänischer und schwedischer Medien sprechen.

Kapitän "korrigiert" seine Aussage

Laut Madsen soll die "Nautilus" aufgrund einer Fehlfunktion in einem Ballasttank gesunken sein. Die Polizei geht aber davon aus, dass das Boot absichtlich versenkt wurde. Möglicherweise um Spuren zu vernichten, nachdem es zuvor offenbar trotz völliger Dunkelheit ohne Positionslichter gefahren und beinahe mit einem Frachtschiff kollidiert war. Damit wird in den Zeitungen von heute ein neuer Zeuge zitiert.

Und angeblich hat auch Madsen selbst seine ursprünglichen Aussagen über den Untergang des Schiffes "korrigiert", so die Polizei, die aufgrund der laufenden Ermittlungen allerdings keine genaueren Angaben macht.

Vom U-Boot in U-Haft: Dänischer Tüftler unter Tötungsverdacht
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
14.08.2017 15:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. August 2017 um 15:08 Uhr.

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