Twitter-Logo an Hauswand der Zentrale in San Francisco | Bildquelle: AFP

US-Wahlkampf 2016 Russische "Trollfabrik" fleißiger als gedacht

Stand: 26.01.2018 13:13 Uhr

Twitter hat gut 1000 weitere Profile mit Verbindungen nach Russland gefunden, die den US-Wahlkampf 2016 beeinflusst haben sollen. Damit steigt die Zahl der identifizierten Troll-Acounts deutlich.

Die Zahl der Twitter-Konten mit Verbindungen zu Russland, von denen aus offenbar gezielt Tweets zur US-Präsidentschaftswahl 2016 abgesetzt wurden, ist deutlich größer als zunächst angenommen. Wie der Kurzbotschaftendienst selbst mitteilte, wurden weitere 1062 Nutzerkonten mit Verbindungen zur "Internet Research Agency" entdeckt - diese gilt als "Trollfabrik" der russischen Regierung. Die entsprechenden Konten seien geschlossen worden.

Falschmeldungen verbreiten, Stimmung vergiften

Als Trolle werden Internetnutzer bezeichnet, die durch ihre Kommentare bewusst Online-Diskussionen steuern oder stören, Falschmeldungen verbreiten und die Atmosphäre in Chatrooms vergiften. Dadurch verzerren sie nicht nur Debatten, sondern schüren auch bewusst Konflikte unter der Internet-Nutzern. Im Fall des US-Wahlkampfes sollen russische Accounts zudem versucht haben, Stimmung für Donald Trump und gegen seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton gemacht haben.

Twitter benachrichtigte nach eigenen Angaben knapp 670.000 Menschen in den USA, die während des US-Wahlkampfes Follower der entsprechenden Konten gewesen seien und dortige Einträge geteilt oder mit "Gefällt mir" angeklickt hätten.

3814 Profile mit Verbindung zu Russland

In der untersuchten zehnwöchigen Zeitspanne vor der Wahl im November 2016 identifizierte Twitter damit nach eigenen Angaben nun insgesamt 3814 Nutzerkonten mit Verbindungen zur "Internet Research Agency". Auf diesen Konten seien knapp 176.000 Tweets gepostet worden, davon hätten sich rund 8,4 Prozent auf die US-Wahl bezogen. Zugleich seien zusätzlich rund 13.500 automatisierte Konten - sogenannte Bots - mit Verbindungen zu Russland entdeckt worden, von denen in diesem Zeitraum Tweets mit Bezug zur US-Wahl abgesetzt worden seien.

Kritik an Internetkonzernen

Große Internetkonzerne wie Twitter, Facebook und Google waren zuletzt dafür kritisiert worden, nicht genug gegen die Verbreitung sogenannter Fake News zu tun. Die Konzerne haben angekündigt, Maßnahmen zu ergreifen, um Fehlinformationen, Propaganda und Provokationen von ihren Plattformen zu entfernen.

Die US-Geheimdienste werfen Russland eine Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten Trumps vor. Zugleich geht US-Sonderermittler Robert Mueller dem Verdacht nach, dass es im Wahlkampf illegale Absprachen zwischen dem Team des Präsidenten und Russland gegeben haben könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2018 um 04:00 Uhr.

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