IS-Propaganda über Twitter | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Untersuchung zu IS-Unterstützern bei Twitter @IS - twittern für den Dschihad

Stand: 06.03.2015 21:12 Uhr

Zur Verbreitung ihrer Propaganda setzt die Terrorgruppe IS stark auf die sozialen Medien. Darunter ist auch Twitter. Laut einer Studie betreiben IS-Unterstützer mindestens 46.000 Konten - diese haben überdurchschnittlich viele Follower.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Unterstützer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) haben in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres mindestens 46.000 Konten beim Kurznachrichtendienst Twitter betrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des US-Politikinstituts Brookings. In Auftrag gegeben wurde die Studie von Google Ideas - Google steht in manchen Geschäftsfeldern in direkter Konkurrenz zu Twitter.

Die 46.000 Konten von IS-Sympathisanten bei Twitter seien noch die konservativste Schätzung, schreiben die Autoren der Studie. Es könnten auch bis zu 70.000 sein. Die Forscher von Brookings analysierten Tweets im Zeitraum von September bis Dezember 2014.

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Die meisten Twitter-Nutzer mit Verbindungen zu IS fanden sie in Saudi Arabien, gefolgt von Syrien, dem Irak - und den USA. Drei Viertel der Tweets dieser Konten seien auf Arabisch verfasst worden, knapp jeder fünfte IS-Unterstützer twitterte auf Englisch. Im Schnitt hatten diese Konten jeweils etwa 1000 Follower - das liegt deutlich über dem Durchschnitt der Twitter-Nutzer.

Verglichen mit den weltweit fast 290 Millionen, die Twitter mindestens einmal im Monat nutzen, ist die Zahl der IS-Unterstützer eher gering: Stimmt die Analyse wären nur 0,02 Prozent aller Twitterer im Sinne von IS aktiv. Inhaltlich verwenden die IS-Sympathisanten den Dienst, um Propaganda zu verbreiten und um miteinander zu kommunizieren.

Drohungen gegen Twitter-Manager

Twitter kennt das Problem und hat in den vergangenen Monaten mindestens 1000 Konten gelöscht, weil deren Inhaber zu religiös motivierter Gewalt oder zum Dschihad aufgerufen hatten.

Dafür wiederum äußern mutmaßliche IS-Unterstützer immer wieder Drohungen gegen Twitter-Manager, allen voran Firmengründer Jack Dorsey. Und natürlich brauchen auch IS-Anhänger nur Minuten, um mit einer anderen E-Mail-Adresse einfach ein neues Twitter-Konto anzulegen.

Dieser Beitrag lief am 06. März 2015 um 23:35 Uhr im Deutschlandfunk.

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