François Fillon (l.) und Alain Juppé | Bildquelle: AP

TV-Duell in Frankreich Kandidaten streiten wegen Russland-Politik

Stand: 25.11.2016 04:43 Uhr

Im TV-Duell zwischen Frankreichs konservativen Präsidentschaftskandidaten Fillon und Juppé haben sich beide gegenseitig falsche Prioritäten vorgeworfen. Einen klaren Sieger gab es nicht. Für Streit sorgte die Frage nach dem richtigen Umgang mit Russland.

Um 21 Uhr fiel der Startschuss für das Duell, das im französischen Fernsehen gleich von zwei großen Sendern live übertragen wurde. An Stehpult Nummer eins: der derzeitige Favorit François Fillon. Der frühere Premierminister und Hobby-Rennfahrer hatte sich nach einer überraschenden Aufholjagd vergangenen Sonntag den Etappensieg in der Vorwahl gesichert. An Pult Nummer zwei: Alain Juppé, ebenfalls Ex-Premier und bis vor einer Woche Umfrageliebling, dann aber unfreiwillig zum Herausforderer geworden.

Juppé hatte diese Woche auf Angriff geschaltet, das Wirtschaftsprogramm seines Konkurrenten als "brutal" bezeichnet und von Francois Fillon eine klare Aussage über seine Haltung zu Abtreibungen gefordert - Fillon ist bekennender Katholik. Gestern Abend dagegen gab sich Alain Juppé versöhnlich, umgarnte seinen Kontrahenten gar direkt zu Beginn: "Francois, wir kennen uns seit langer Zeit. Du bist mein Minister gewesen, ich bin deiner gewesen. Und ich habe für Dich immer Freundschaft und Wertschätzung gefunden. Meine Meinung habe ich nicht geändert."

Und so ging Juppés erster offener Seitenhieb nicht an Francois Fillon, sondern an die Adresse des amtierenden Präsidenten Hollande - in dem Fall beim Thema Sozialpolitik: "Die größte Gefahr für das französische Sozialmodell ist die Politik, die seit fünf Jahren gemacht wird."

Fillon würdigt Rivalen kaum eines Blickes

Mit seiner Charmeoffensive konnte Juppé bei Fillon allerdings nicht wirklich landen. Ohnehin nicht für große Gefühlsregungen berühmt, verharrte dieser stoisch und in fast schon präsidialer Haltung in seiner neugewonnenen Favoritenrolle.

Seinen Rivalen Juppé würdigte er bei seinen Antworten kaum eines Blickes. Nur in der Diskussion über längere Arbeitszeiten für Beamte, einem der wenigen Schlagabtausche, die dieses TV-Duell zu bieten hatte, geriet Fillon ein bisschen in Wallung: "Alain Juppé will die Dinge nicht wirklich ändern. Er hat sich einem System verschrieben, dass er verbessern will. Aber mit ein paar Abänderungen kann das Land nicht wieder gesund werden."

Allerdings bestand auch Juppés Taktik nicht nur aus Nettigkeiten. Immer wieder machte er klar, wo die Unterschiede zwischen ihm und Fillon, dem Erzkonservativen und Wirtschaftsliberalen, liegen. Zum Beispiel in der Debatte über nationale Identität und Integration. Während Fillon die Geschichtsbücher der Grundschüler am liebsten in eine "nationale Erzählung" umschreiben lassen würde, mache Frankreichs Identität aus Sicht von Juppé vor allem die Vielfältigkeit der Menschen aus.

Streit wegen Russland-Politik

In der Debatte über Russland bezeichnete Fillon die westliche Sanktionspolitik als "gescheitert". "Sie hat nichts gebracht außer die europäischen Landwirte zu ruinieren", sagte er mit Blick auf die russischen Einfuhrbeschränkungen für westliche Agrargüter. Im Konflikt um die Ostukraine habe auch die Regierung in Kiew eine Bringschuld, betonte Fillon.

Auch im Syrien-Konflikt wolle er eng mit Russland zusammenarbeiten, bekräftigte Fillon. Juppé machte dagegen deutlich, dass er gegen eine Annäherung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin sei. "Putin hört nicht auf, vom Kalten Krieg zu reden", kritisierte er. Er werde dem russischen Staatschef im Falle eines Wahlsiegs deutlich machen, dass er das Friedensabkommen von Minsk umsetzen müsse und die Annexion der Krim inakzeptabel sei.

Juppé hofft auf Überraschung

Auch wenn ein Gewinner der TV-Duells nicht deutlich auszumachen war: In einer Blitzumfrage fanden 57 Prozent der Fernsehzuschauer den wirtschaftsliberalen und braven Katholiken überzeugender als Juppé, den selbsterklärten Einiger. Juppé hofft trotzdem noch auf ein kleines Wunder. In der ersten Runde hatten sich viele der Wähler erst am Wahl-Wochenende für Francois Fillon entschieden. Vielleicht, so hofft zumindest Juppé, sind die Wähler auch in der zweiten Runde für eine Überraschung gut.

Mit Informationen von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Zwei französische Ex-Premiers, die Präsident werden wollen
K. Gallmeyer, ARD Paris
25.11.2016 07:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2016 um 05:38 Uhr

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