Die Flagge der Türkei  | Bildquelle: dpa

Ein Jahr nach Putschversuch in Türkei Wieder Tausende vom Dienst suspendiert

Stand: 14.07.2017 21:44 Uhr

Kurz vor dem Jahrestag des Putschversuchs haben türkische Behörden weitere 7300 Beschäftige des öffentlichen Dienstes von ihren Aufgaben suspendiert. Grund seien vermutete Verbindungen zu dem in den USA lebenden Prediger Gülen.

Die türkische Regierung hat laut Medienberichten erneut Tausende von Staatsdienern per Dekret vom Dienst suspendiert. Unter den mehr als 7340 namentlich genannten Betroffenen seien neben gut 2000 Polizisten auch Mitarbeiter des Justiz- und des Außenministeriums sowie mehr als 300 Wissenschaftler. Das geht aus einem Dekret hervor.

Gülen fordert Ende der "Hexenjagd"

Grund seien vermutete Verbindungen zu dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen. Die Regierung wirft Gülen vor, Drahtzieher des Mitte Juli 2016 gescheiterten Militärputsches gewesen zu sein.

Vor dem ersten Jahrestag des Putschversuchs forderte Gülen ein Ende der Verfolgung seiner Anhänger. Er verurteile den "verachtenswerten Putsch" ebenso wie die anschließende "Hexenjagd", erklärte der Prediger. "Das vergangene Jahr war schlimm für mich. Hunderttausende unschuldige Türken werden bestraft, weil die Regierung entscheidet, dass sie irgendwie mit mir 'verbunden' sind."

Gülen forderte eine unabhängige internationale Untersuchung des gescheiterten Militärputsches vom 15. Juli 2016, bei dem 249 Menschen getötet wurden.

Ausnahmezustand wird verlängert

Am Samstag jährt sich der Putschversuch in der Türkei. Wegen mutmaßlicher Kontakte zur Gülen-Bewegung wurden bislang rund 50.000 Menschen festgenommen und rund 150.000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs entlassen oder vom Dienst suspendiert.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, dass die Regierung den in Folge des Putschversuchs verhängten Ausnahmezustand in das zweite Jahr hinein verlängern wolle. Der derzeit bis zum kommenden Mittwoch geltende Ausnahmezustand ermöglicht es dem Präsidenten, per Dekret zu regieren. Eine Zustimmung des Parlaments gilt als sicher, weil Erdogans AKP dort über eine absolute Mehrheit verfügt.

Unterdessen wies Erdogan jede Kritik aus Europa an der Menschenrechtslage in seinem Land scharf zurück. Die Türkei entspreche in der Hinsicht nicht nur den Standards der EU, sondern "wir sind ihnen voraus", sagte er bei einer Veranstaltung zu dem Jahrestag in Ankara.

Türkei gedenkt und suspendiert
C. Buttkereit, ARD Istanbul
15.07.2017 07:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juli 2017 um 22:00 Uhr.

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