Papst Franziskus | Bildquelle: AP

Papst Franzikus in Turin Tränen in den Augen, Wut im Bauch

Stand: 21.06.2015 14:20 Uhr

Bei seiner Pilgerreise nach Turin hat Papst Franziskus menschenwürdige Arbeit für alle gefordert. Die Wirtschaft müsse dem Allgemeinwohl und nicht dem Kapital dienen. Auch den Umgang der EU mit Flüchtlingen kritisierte Franziskus scharf.

Zu Beginn seines zweitägigen Besuchs in Turin hat Papst Franziskus wachsende Ungleichheit als Folge der andauernden Wirtschaftskrise beklagt. Bei einem Treffen mit Arbeitern der norditalienischen Industriestadt sagte er, dass in dieser Situation die Menschen nicht allein auf einen "Aufschwung" warten dürften, sondern müssten sich dafür einsetzen, dass es menschenwürdige Arbeit für alle gebe.

"Das erfordert ein Wirtschaftsmodell, das nicht dem Kapital dient sondern dem Allgemeinwohl", sagte Franziskus. Besonders Frauen, die einen Großteil der Belastung durch die Versorgung der Familie trügen, seien in der Arbeitswelt weiterhin massiv diskriminiert.

"Flüchtlinge wie Ware behandelt"

Papst Franziskus verurteilte zudem den Umgang mit Flüchtlingen in Europa. Die Migranten dürften nicht "wie Ware behandelt werden", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Die Bilder von Bootsflüchtlingen, die sich auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Europa begeben, "treiben einem Tränen in die Augen".

Durch die Einwanderer verschärfe sich der Wettbewerb um Arbeitsplätze, aber die Flüchtlinge dürften dafür nicht verantwortlich gemacht werden, denn sie seien selbst Opfer "von Ungerechtigkeit, einer Wegwerf-Wirtschaft und von Krieg", sagte der Papst. Mehrere norditalienische Regionen hatten kürzlich verkündet, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen. Sie verwiesen unter anderem auf die damit verbundenen sozialen Spannungen.

Turiner Grabtuch | Bildquelle: picture alliance / abaca
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Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche: das Turiner Grabtuch.

Gebet und Familienbesuch

Später besuchte der Papst die Kathedrale der Stadt, um vor dem Turiner Grabtuch zu beten, in dem angeblich einst Jesus Christus beerdigt wurde. Das Tuch wird noch bis zum 24. Juni in der Kirche ausgestellt. Hunderttausende Katholiken pilgerten bereits nach Turin, um das Grabtuch zu sehen. Von Gläubigen wird es als wichtige Reliquie verehrt, auch wenn einige Wissenschaftler dessen Entstehungszeit auf das 13. oder 14. Jahrhundert datieren.

Während seines Aufenthalts in Turin will sich der Papst auch mit Mitgliedern seiner weitverzweigten Familie treffen. Die Großeltern des 78-Jährigen lebten bis 1929 in der Stadt, bevor sie nach Buenos Aires emigrierten. Franziskus' Vater Mario Bergoglio war damals 20 Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2015 um 13:15 Uhr.

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