Der geplante Schiffstunnel in Norwegen auf einer Computergrafik | Bildquelle: skipstunnel.no

Tunnel in Norwegen Mit dem Schiff durch den Berg

Stand: 06.04.2017 16:17 Uhr

1,7 Kilometer lang, groß genug für Fracht- und Passagierschiffe, knapp 300 Millionen Euro sind veranschlagt: Das sind die Pläne für einen Tunnel, der Schiffen vor Norwegens Küste einen gefährlichen Umweg sparen soll. Das Projekt wäre das weltweit erste.

Von Norbert Hansen, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Der Wind peitscht, das Wasser spritzt, hinter dem nächsten Wellenberg verschwinden ganze Schiffe: der Seegang vor Norwegens Küste kann tückisch sein. Das wissen nicht nur die Mägen der Hurtigrouten-Passagiere. Das wussten schon die Wikinger! Berühmt-berüchtigt ist das Seegebiet rund um die Halbinsel Stadlandet. 300 Kilometer nördlich von Bergen. Norwegens Regierung will dort für mehr Sicherheit an einer der gefährlichsten Küsten-Strecken sorgen, wie es heißt. Und gibt das OK für den Schiffstunnel, erklärt Verkehrsminister Ketil Solvik-Olsen. "Eines der größten Projekte ist der Bau des Schiffstunnels bei Stad. Der Erste dieser Art auf der Welt", so Olsen.

Bis zu 120 Schiffe sollen durchpassen

An rund 100 Tagen im Jahr gibt es hier sehr hohe Wellen - wegen einer  Kombination aus Meeresströmungen und Unterwasser-Beschaffenheit. Immer wieder sind Schiffe gekentert. Der Tunnel wird 1,7 Kilometer lang durch den Berg führen und zwei Fjorde verbinden. 36 Meter breit, 50 Meter hoch. Bis zu 120 Fracht- und Passagierschiffe sollen durchpassen. So kann man sich die gefährliche Umfahrung der Halbinsel sparen.

Auch bei schlechtem Wetter passierbar?

Gesprochen wird über so einen Tunnel seit Jahrzehnten. Getestet seit Jahren. Terje Andreassen ist Projektleiter der Küstenbehörde. Er beschreibt, was für den Tunnel das Wichtigste ist: "Wir testen, ob eine sichere Passage durch den Tunnel auch bei schlechtem Wetter möglich ist. Es sind ja gerade die schlechten Wetterverhältnisse, bei denen der Tunnel seine Stärken beweisen muss."

Dazu wurden immer wieder Tests im Becken gemacht und Simulationen am Computer. Man muss wissen, welche Kräfte im Tunnel auf die Schiffe wirken. Ergebnis: Das sei machbar, so Projekt-Berater Arne Lothe. "Unsere Theorien wurden bestätigt. Die Erfahrungen aus den Tests sind wirklich gut", sagt Lothe weiter.

Bauzeit: Drei bis vier Jahre

In zwei Jahren soll es losgehen - dann sollen sich die Bohrer ins Gestein fräsen. Knapp 300 Millionen Euro sind veranschlagt. Die Bauzeit soll drei bis vier Jahre betragen. Und wenn es soweit ist, dann bekommen Kreuzfahrer auf dem Weg zum Nordkap nicht nur hohe Gipfel und blaue Fjorde zu sehen, sondern auch einen Berg von innen. Magenschonender ist es allemal.

Erster Tunnel für Fracht- und Passagierschiffe
Norbert Hansen, ARD Stockholm
06.04.2017 13:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. April 2017 um 15:40 Uhr

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