Eingang zu entdecktem Tunnel palästinensischer Extremisten | Bildquelle: AP

Israels Grenze zu Gaza Mit Sperrwänden gegen die "Terrortunnel"

Stand: 20.01.2018 00:50 Uhr

Mehrfach hat Israel an der Grenze zu Gaza schon Tunnel zerstört, durch die Angreifer versuchen, ins Land zu kommen. Um der Gefahr Herr zu werden, baut die Armee eine unterirdische Sperrwand.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Unterwegs in einem gepanzerten Transporter der israelischen Armee: Das Fahrzeug rumpelt über eine gelb-braune Matschpiste entlang der Grenze zum Gazastreifen, vorbei an Militärposten und in Sichtweite des Zauns, der die israelische Seite mit ihren Feldern und kleinen Ortschaften von dem dichtbebauten palästinensischen Küstenstreifen trennt. Im Süden der Grenze hält der Militärkonvoi. Das Ziel liegt in einer tiefen Grube.

Israels Armee hat Journalisten hierher gebracht, um ihnen eine akute Bedrohung für die Sicherheit des Landes möglichst plastisch vor Augen zu führen. Militärsprecher Jonathan Conricus baut sich vor einem schmalen Betoneingang in den Untergrund auf: "Dieser Terrortunnel liegt ungefähr sechs Meter unter der Oberfläche. Sie kamen also schon nach oben und planten möglicherweise einen Angriff. Auch deshalb schlugen wir zu. Der Tunnel war schon in Israel und stand kurz vor der Fertigstellung."

Ende Oktober zerstörte die Armee den Tunnel der palästinensischen Terrorgruppe Islamischer Dschihad. Bei der Zerstörung und bei Rettungsversuchen starben mindestens ein Dutzend Palästinenser, Mitglieder des Islamischen Dschihad und der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert.

Sehr eng, äußerst stabil

Im Tunnel ist es eng. Die Betonröhre ist maximal 80 Zentimeter breit und knapp 1,80 Meter hoch. Der Tunnel wirkt äußerst stabil, besteht komplett aus Betonelementen, hinter denen eine Holzverschalung zu erkennen ist. Ein israelischer Soldat beschreibt die Anlage, erzählt von Luft- und Stromzufuhr und davon, dass die palästinensischen Extremisten bis zu zehn Meter eines solchen Tunnels pro Tag graben könnten.

Jonathan Conricus, Sprecher der israelischen Armee
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Jonathan Conricus, Sprecher der israelischen Armee, erklärt das Tunnelsystem.

Draußen vor dem Tunneleingang berichtet der Militärsprecher, dass in den vergangenen Monaten drei solcher unterirdischen Gänge unbrauchbar gemacht wurden. Aus Sicht der Armee sollten sie für Terroranschläge in Israel und mögliche Entführungen genutzt werden.

"Alle Tunnel, die zuletzt zerstört wurden, haben wir schon seit Monaten beobachtet. Wir wussten genau, wo sie verliefen und in welchem Stadium die Arbeiten waren. Wir haben gewartet, bis sie israelisches Territorium erreichten, bevor wir sie angriffen", erklärt der Armeesprecher.

Unterirdische Mauer

Einige hundert Meter weiter arbeiten schwere Baumaschinen an Israels Antwort auf die sogenannten Angriffstunnel. In einen tiefen, mit Spundwänden abgestützten Hohlraum wird Flüssigbeton gegossen, in den dann mehrere große Metallgeflechte versenkt werden - jedes einzelne ist 25 Meter hoch. Wenn der Beton dann hart ist, steht eine unterirdische Mauer im Erdreich unter der Gazagrenze. Das ist dann das Ende der Angriffstunnel, hofft die Armee.

Wie tief genau die Barriere hinunter reicht, verrät auch Militärsprecher Conricus nicht. "Es ist eine sehr tiefgehende Mauer und damit ein großes Hindernis für die Tunnelbauer. Zusätzlich zu der Mauer sind auch andere Systeme installiert, die uns informieren, falls ein Tunnel gebaut wird und uns zeigen, wo er ist."

Auf die unterirdische Sperrwand kommt ein meterhoher Zaun. Sensoren sollen dabei helfen, Tunnel künftig im Vorfeld auszumachen. Davon, dass es aktuell noch weitere Angriffstunnel gibt, geht Israels Armee aus, wie Sprecher Conricus bestätigt: "Tunnel nach Israel zu graben - dafür betreibt Hamas den größten Aufwand. Wir rechnen damit, weitere zu finden, die wir dann zerstören werden."

Die Mauer im Erdreich soll die Gefahr bannen - entlang der gesamten Grenze. Bis zur Fertigstellung der 65 Kilometer langen und mehr als eine halbe Milliarde Euro teuren Untergrundbarriere werden voraussichtlich noch ein bis maximal zwei Jahre vergehen.

Gefahr von unten - Israel und die Terror-Tunnel
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
19.01.2018 23:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2018 um 07:32 Uhr.

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