Zitouna Moschee in Tunis, Tunesien | Bildquelle: REUTERS

Tunesien Musliminnen dürfen Nichtmuslime heiraten

Stand: 14.09.2017 20:02 Uhr

Der tunesische Präsident Essebsi hat einen Erlass aus dem Jahr 1973 aufgehoben, der Frauen die Ehe mit Nicht-Muslimen untersagte. Menschenrechtsaktivisten hatten sich seit Langem mit einer Kampagne dafür eingesetzt.

Muslimischen Frauen in Tunesien ist es künftig erlaubt, nichtmuslimische Männer zu heiraten. Bestimmungen, die derartige Partnerschaften bislang untersagt hatten, seien für nichtig erklärt worden, teilte das Präsidialamt in Tunis mit.

Das bisherige Verbot hatte nur Frauen betroffen. Die umgekehrte Konstellation, dass ein muslimischer Mann eine nicht-muslimische Frau heiratet, war hingegen legal. Kritiker sahen darin ein Verstoß gegen die in der Verfassung vorgesehene Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie gegen das Grundrecht jedes Menschen, seinen Partner frei zu wählen.

Kampagne führte zum Ziel

Mit einer Kampagne hatten sich Organisationen der Zivilgesellschaft und Menschenrechtsaktivisten seit Langem für die Aufhebung des Erlasses von 1973 eingesetzt. Außerdem hatten sie Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.

Im August kündigte der 90 Jahre alte Präsident Béji Caïd Essebsi schließlich an, sich für eine Abschaffung der Heiratsbeschränkungen einzusetzen. Diese sahen unter anderem vor, dass Frauen Nichtmuslime nur dann ehelichen durften, wenn diese zum Islam konvertierten.   

Frauen leiden unter Diskriminierung und Gewalt

Tunesien gilt zwar als Vorreiter für Frauenrechte in der arabischen Welt. So ist die Hälfte der Ingenieure und eine Mehrheit der Arbeitskräfte mit höherer Bildung - etwa im medizinischen und landwirtschaftlichen Bereich - weiblich. Aber noch immer leiden viele Frauen in dem nordafrikanischen Land unter Diskriminierung und Gewalt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2017 um 08:19 Uhr.

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