Türkischer Kampfjet F-16 | Bildquelle: REUTERS

Erneut kurdische Ziele bombardiert Türkei greift wieder Ziele im Irak an

Stand: 01.08.2015 12:16 Uhr

Trotz internationaler Appelle bombardiert die türkische Luftwaffe weiter Ziele in der autonomen Kurdenregion im Nordirak. Am Morgen wurden ebenso Ziele angegriffen wie an den Tagen zuvor. Bislang sollen 260 PKK-Kämpfer getötet worden sein.

Die türkische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei PKK im Norden des Nachbarlandes Irak fortgesetzt. Bei dem Beschuss am Morgen seien mindestens sechs Menschen getötet worden, berichteten Nachrichtenagenturen. Bereits gestern hätten 28 Kampfjets insgesamt 65 PKK-Stellungen im Nordirak bombardiert, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Am Donnerstag griffen demnach 80 Jets der Luftwaffe 100 verschiedene Ziele an.

Den Angaben der Agentur zufolge sollen seit Beginn der türkischen Luftangriffe vor einer Woche etwa 260 PKK-Kämpfer getötet und hunderte verletzt worden sein. Die PKK machte bisher keine Angaben zu ihren Verlusten. Die türkische Regierung weigert sich derzeit, Angaben zu den Opfern ihrer Luftangriffe zu machen.


Kurden fordern Ende der Luftangriffe

Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Nordirak forderte ein Ende der türkischen Luftangriffe. "Natürlich wollen wir nicht, dass unser Land bombardiert wird, und wir glauben nicht, dass dies hilft, die Situation zu lösen", sagte der außenpolitische Vertreter der Kurdengebiete, Falah Mustafa. Die Offensive der türkischen Armee verschärfe die Spannungen nur. Er ermahnte beide Konfliktparteien, ihre Angriffe einzustellen. "Wir sind mit den jüngsten Aktionen der PKK nicht einverstanden, aber das bedeutet nicht, dass man mit Bombardements darauf antworten sollte", sagte Mustafa.

In der Türkei eskaliert seit einem Anschlag auf ein prokurdisches Treffen mit 32 Toten der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und den kurdischen Rebellen. Die PKK wies der türkischen Regierung eine Mitschuld für den Anschlag zu. Die Regierung in Ankara macht IS-Extremisten dafür verantwortlich. Die PKK griff nach dem Anschlag türkische Polizisten an, die Regierung bombardiert nun PKK-Stellungen im Nordirak und in der Türkei.

Die Organisationen der Kurden

PKK:
Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak Ende Juli praktisch beendet ist.

YPG:
Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Dadurch sind sie der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten geworden. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet.

Peschmerga:
Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt.
Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobani.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. August 2015 um 12:00 Uhr.

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