Mit einer handschriftlichen Notiz hat sich der Journalist aus der Haft gemeldet. | Bildquelle: dpa

Inhaftierter Deniz Yücel "Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen!"

Stand: 01.03.2017 19:54 Uhr

Ein Lebenszeichen von Deniz Yücel: Mit einer handschriftlichen Notiz hat sich der Journalist aus der Haft gemeldet. Es gehe ihm in der Untersuchungshaft besser als im Polizeigewahrsam. Kanzlerin Merkel forderte von der Türkei Yücels Freilassung.

Mit einer handschriftlichen Notiz hat sich der Journalist Deniz Yücel aus dem türkischen Gefängnis heraus bei seinen Unterstützern bedankt. "Ich danke allen Freunden, Verwandten, Kollegen, und allen, die sich für mich einsetzen. Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut", heißt es in einer von der Zeitung "Die Welt" veröffentlichten Nachricht des deutsch-türkischen Journalisten.

Auf dem Zettel mit der Anrede "Hallo Welt" beschreibt Yücel demnach, dass sich seine Haftbedingungen in der Untersuchungshaft im Vergleich zum vorherigen Polizeigewahrsam verbessert hätten. "Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescafé! Rauchen! Zeitungen! Ein echtes Bett! Eine Toilette für mich alleine, die ich aufsuchen kann, wann ich will", schreibt er in der Notiz.

Mit einer handschriftlichen Notiz hat sich der Journalist aus der Haft gemeldet. | Bildquelle: dpa

"Kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen"

Tagsüber könne er sich mit einer Handvoll politischer Häftlinge in Küche und Hof aufhalten, abends habe er eine Zelle für sich allein. "Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen", kommentiert Yücel die Veränderungen. "Und obwohl sie mich meiner Freiheit beraubt haben, bringen mich das Verhör und die Urteilsbegründung noch immer zum Lachen."

Merkel fordert Freilassung

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte von der Türkei erneut eindringlich die Freilassung Yücels. "Die Bundesregierung wird alles, was in ihrer Macht steht tun, um darauf hinzuwirken, dass genau das geschieht", sagte Merkel beim politischen Aschermittwoch der CDU in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Freier und unabhängiger Journalismus sei ein grundlegender Teil der Demokratie und das "darf niemals infrage gestellt werden, auch wenn es unbequem ist".

CDU-Parteivize Armin Laschet forderte Konsequenzen für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Solange Yücel inhaftiert sei, sei "Erdogan in Deutschland unerwünscht. Das müssen wir ihm mitteilen", sagte Laschet. "Wir werden es nicht hinnehmen, dass so mit Journalisten umgegangen wird."

Yücel drohen zehneinhalb Jahre Haft

Yücel schrieb die Notiz laut "Welt" in der Untersuchungshaftanstalt Metris, kurz bevor er am Vormittag in das Gefängnis Silivri verlegt wurde. Nach Auskunft seines Anwalts drohen Yücel zehneinhalb Jahre Haft. Dies sei die Höchststrafe für Volksverhetzung und Terrorpropaganda, die dem Journalisten zur Last gelegt werden.

Nach rund zwei Wochen in Polizeigewahrsam hatte ein Richter am Montagabend angeordnet, dass Yücel wegen des Verdachts der Propaganda für terroristische Organisationen vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss. Yücel hatte sich vor zwei Wochen freiwillig gestellt. Seine Anwälte wollen Revision einlegen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. März 2017 um 09:00 Uhr und die tagesthemen am 02. März 2017 um 22:15 Uhr.

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