Ein türkischer Panzer in der Nähe der Grenze zu Syrien. | Bildquelle: AP

Pläne der USA und Türkei Eine Pufferzone gegen den IS?

Stand: 27.07.2015 20:48 Uhr

Die Türkei hält den militärischen Druck auf die Kurden aufrecht und nimmt zugleich die IS-Terrormiliz verstärkt ins Visier. Zusammen mit den USA will Ankara den IS aus syrischem Gebiet entlang der Grenze verdrängen und eine Sicherheitszone schaffen.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Ein Amateurvideo, das die kurdischen Volksverteidigungseinheiten rund 40 Kilometer südlich von Kobane am Samstag aufgenommen haben wollen, zeigt bewaffnete kurdische Kämpfer, die einen Olivenhain durchqueren. Vor ihnen liegt Sarrin, eine vormals 6000 Einwohner große Ortschaft nahe des Euphrat. Seit dem IS-Vormarsch im vergangenen September ist der Ort Schauplatz hartnäckigster Gefechte zwischen den kurdischen Einheiten und Angehörigen der Freien Syrischen Armee einerseits und der Terrormiliz "Islamischer Staat" andererseits.

Erfolg der kurdischen Volksverteidigungseinheiten

Am Montag, drei Tage nach Aufnahme des Amateurvideos, dessen Authentizität von der Nachrichtenagentur Reuters überprüft wurde, meldeten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten den Durchbruch: Sie hätten Sarrin eingenommen und damit den Verbindungsweg des IS zwischen seiner selbsternannten Kapitale Raqqa und Aleppo im Westen.

Ein junger kurdischer Kämpfer beschreibt den Vorstoß in Richtung Sarrin und die Belagerung so: "Einige von denen haben ihre Waffen weggeworfen, als sie uns sahen. Sie laufen jetzt davon. Wir sind auf einem Hügel in Sarrin. Es gab ja das Massaker von Suruc. Wir haben Sarrin wegen dieses Massakers erobert. Wir werden diese Bande bekämpfen und unsere Märtyrer rächen. Den IS haben wir geschlagen. Die haben die Leichen zurückgelassen, einige von denen haben die Waffen weggeworfen und sind davongelaufen. Wir waren hier erfolgreich."

Sicherheitszone in Syrien

Wenige Kilometer westlich von Sarrin soll das Areal entstehen, auf dessen Bildung sich die amerikanische und türkische Regierung im Umrissen verständigt haben: Eine sogenannte "Sicherheitszone", die von der türkischen Grenze rund 50 Kilometer tief und 90 Kilometer breit im Norden Syriens verlaufen und "IS-frei" sein würde. So die saloppe Wortwahl amerikanischer Regierungsvertreter.

Wer dieses Areal freikämpfen soll, das von der IS-Terrormiliz derzeit gehalten wird, ist unklar. Ebenso unklar wie die Frage, welche Rolle die kurdischen Volksverteidigungseinheiten übernehmen würden, die bislang die Hauptlast der Bodenkämpfe gegen den IS getragen haben.

Aktuelle Gewalt in der Türkei bedroht Friedensprozess
tagesthemen 22:20 Uhr, 27.07.2015, Martin Weiss, ARD Istanbul

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Wird die Opposition gegen Assad gestärkt?

Gegenüber dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera versuchte der türkische Politologe Badr Atajan die Pläne so zu erklären: "Wenn die Türkei beim Eingreifen in Syrien erfolgreich sein wird, dann wird im syrischen Staatsgebiet eine Sicherheitszone geschaffen werden, die der Freien Syrischen Armee und der gemäßigten Opposition übergeben wird. Dies wird die Haltung der syrischen Opposition bei den Friedensverhandlungen über Syrien in Genf stärken. Und das  macht den Zerfall des Assad Regime viel leichter als je zuvor."

Zweifel sind allerdings angebracht: So konnten sich Washington und Ankara bis jetzt nicht darauf verständigen, was unter "gemäßigter Opposition" zu verstehen ist. Das US-Verteidigungsministerium hatte nach Angaben von Pentagon-Chef Ashton Carter mehrere Tausende Freiwillige überprüft, die sich für den Kampf gegen die Terrormiliz IS in den vergangenen Monaten gemeldet hätten.

Von diesen über 3000 seien rund 400 in die engere Auswahl gekommen - und von den 400 wiederum seien nur 60 Syrer von den US-Militärs für die eigentliche Ausbildung akzeptiert worden. Washington legt bei der politisch-ideologischen Auswahl potentieller Anti-IS-Kämpfer weitaus engmaschigere Kriterien an, als die türkische Regierung.

Türkei will Sicherheitszone in Syrien einrichten
C. Verenkotte, ARD
27.07.2015 20:06 Uhr

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