Eine F16 der türkischen Luftwaffe

Luftangriffe und Razzien Türkei geht gegen IS vor

Stand: 24.07.2015 13:42 Uhr

Die Türkei hat erstmals Luftschläge gegen Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien geflogen. Damit reagiert das Land auf die jüngste Eskalation zwischen Soldaten und IS-Kämpfern im Grenzgebiet. Außerdem wurden bei einer Razzia 250 Anhänger von IS und PKK festgenommen.

Die türkische Regierung hat Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien bestätigt. Drei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 hätten vor Sonnenaufgang drei Ziele im Norden des Nachbarlandes unweit der türkischen Grenzprovinz Kilis beschossen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu in einer Erklärung mit. "Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen", hieß es in der Mitteilung.

Der syrische Luftraum sei bei der Operation nicht verletzt worden. Die Kampfjets hätten den türkischen Luftraum nicht verlassen. Aus der angrenzenden Provinz Kilis seien mindestens drei laute Explosionen gehört worden, meldete der private türkische Fernsehsender NTV. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete, bei zwei der Ziele habe es sich um IS-Hauptquartiere gehandelt. Nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur Dogan wurden an einem der drei Ziele bis zu 35 Extremisten getötet.

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte anschließend, die Luftangriffe seien ein "erster Schritt" im Kampf gegen den IS gewesen. Weitere würden folgen. Das gelte auch für kurdische oder linke Extremisten. Alle militanten Gruppen müssten ihre Waffen niederlegen oder mit Konsequenzen rechnen.

Türkei nimmt IS ins Visier
tagesschau 15:00 Uhr, 24.07.2015, Michael Schramm, ARD Istanbul

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Reaktion auf Konflikte an der syrisch-türkischen Grenze

Die Aktion sei eine Reaktion auf eine bewaffnete Attacke von IS-Kämpfern auf einen türkischen Militärposten am Vortag.

Die Türkei hat eine 900 Kilometer lange Grenze mit Syrien und wurde zuletzt tiefer in den Konflikt hineingezogen. Bei einem der IS-Miliz zugeschriebenen Selbstmordanschlag im südtürkischen Suruc waren am Montag 32 Menschen getötet und rund 100 weitere verletzt worden. Die türkische Regierung machte heute in einer Erklärung den IS erstmals offiziell dafür verantwortlich.

Razzien gegen mutmaßliche IS-Mitglieder

Bei einer großangelegten Polizeiaktion gegen mutmaßliche Anhänger des IS und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK wurden unterdessen rund 250 Verdächtige festgenommen. Die Regierung erklärte, die Razzia habe in 13 Provinzen stattgefunden. Unklar ist, wie viele der Festgenommenen mutmaßlich dem IS und wie viele der PKK angehören.

Türkische Polizisten mit mutmaßlichen Anhängern des IS | Bildquelle: AFP
galerie

Türkische Polizisten mit mutmaßlichen Anhängern des IS

USA dürfen türkischen Stützpunkt nutzen

Die USA dürfen außerdem künftig den strategisch wichtigen türkischen Stützpunkt Incirlik für Luftangriffe nutzen. Das bestätigte Präsident Erdogan. Er habe den USA versichert, dass die Türkei sich an der Bekämpfung des IS beteiligen werde.

Bislang durften lediglich Drohnen von dem Stützpunkt aus starten. US-Präsident Barack Obama und Erdogan hatten sich bereits in der Nacht zu Donnerstag auf eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS verständigt.

Die USA fliegen seit dem vergangenen Sommer gemeinsam mit Verbündeten Luftangriffe auf IS-Stellungen. Für den Kampf am Boden setzt Washington auf die irakischen Streitkräfte, kurdische Verbände sowie die moderate Opposition gegen den syrischen Machthaber Baschar al Assad. Der seit vier Jahren andauernde syrische Bürgerkrieg hatte den Aufstieg der extremistischen IS-Miliz begünstigt, die mittlerweile große Gebiete in Syrien und im Irak kontrolliert.

An der syrisch-türkischen Grenze | Bildquelle: AP
galerie

An der türkisch-syrischen Grenze in der Region Kilis kam es am Donnerstag zu Gefechten zwischen türkischer Armee und IS-Kämpfern.

Kritik an Erdogan

Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierung in Ankara seit langem vor, zu wenig gegen den IS zu tun oder diese sogar mit Waffen zu versorgen. Auch würden die türkischen Grenzschützer Rekruten der Dschihadisten ungehindert über die Grenze lassen. Die Türkei unterstützt seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien Rebellengruppen im Kampf gegen Assad, sieht aber das Erstarken der Kurdenmilizen im Zuge des Bürgerkriegs mit großer Sorge.

USA dürfen Luftwaffenstützpunkt in Türkei nutzen
M. Ganslmeier, ARD Washington
24.07.2015 07:42 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2015 um 9:00 Uhr.

Darstellung: