Türkische Flagge | Bildquelle: dpa

Aktionen in 18 Ländern Geheimdienst holt Gülen-Anhänger in die Türkei

Stand: 05.04.2018 14:34 Uhr

Seit dem Putschversuch geht die Türkei gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor. Ein Regierungssprecher sagte, dass mit Hilfe des Geheimdienstes Dutzende Verdächtige aus 18 Ländern zurückgeholt wurden.

Die Türkei hat mit Hilfe ihres Geheimdienstes (MIT) etliche türkische Staatsbürger und mutmaßliche Gülen-Verbündete in die Türkei zurückgebracht. Wie Regierungssprecher Bekir Bozdag dem TV-Sender Habertürk sagte, wurden "bislang 80 Fetö-Anhänger aus 18 Ländern eingepackt" und in die Türkei geholt. Um welche Länder es sich handelte, sagte er nicht.

Als Fetö bezeichnet die türkische Regierung die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fetullah Gülen, den Ankara für den Putschversuch 2016 verantwortlich macht. Bozdag sagte weiter, die MIT-Operationen im Ausland seien ein "großer Schlag" gegen die Gülen-Bewegung. Wie genau diese Aktionen abliefen, sagte er nicht.

Abschiebungen aus dem Kosovo werfen Fragen auf

Fethullah Gülen | Bildquelle: dpa
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Die türkische Regierung macht Fethullah Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Vergangene Woche hatte eine Aktion im Kosovo hohe Wellen geschlagen, an der der MIT offenbar beteiligt war: Fünf türkische Lehrer einer Gülen-Schule sowie ein Arzt waren aus dem Land abgeschoben worden - offenbar ohne Wissen des kosovarischen Regierungschefs Ramush Haradinaj. Veranlasst hatte die Aktion Innenminister Flamur Sefaj, der nach Bekanntwerden sofort seinen Posten räumen musste. Mit ihm wurde auch der Geheimdienstchef entlassen.

Regierungschef Haradinaj wies zudem die beteiligten Institutionen an, mögliche verfassungsrechtliche und juristische Verstöße bei dem Vorgehen zu untersuchen.

In der EU stießen die Vorgänge im Kosovo auf Kritik. Hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und Justiz werfe die Aktion viele Fragen auf, sagte Angelina Eichhorst, Direktorin für die westlichen Balkanländer und die Türkei beim Europäischen Auswärtigen Dienst. Das Kosovo strebt mittelfristig einen Beitritt zur EU an.

MIT plant weitere solcher Aktionen

Türkischer Regierungssprecher Bekir Bozdag | Bildquelle: AP
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Regierungssprecher Bozdag kündigte eine Fortsetzung von Aktionen wie jüngst im Kosovo an.

Der türkische Regierungssprecher Bozdag jedenfalls wertete die Ereignisse im Kosovo als einen "großen Erfolg", der MIT werde ähnliche Operationen fortsetzen.

Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, betonte auf Nachfrage von Journalisten in Ankara, die Türkei sei an keinerlei illegalen Aktivitäten beteiligt gewesen und verwies auf das Kosovo. Dort seien die Rückführungen in Absprache mit den lokalen Behörden erfolgt.

Seit dem Putschversuch hat die Türkei mehr als 38.000 Menschen unter dem Vorwurf von Verbindungen zu Gülen festgenommen und rund 110.000 öffentliche Bedienstete entlassen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. April 2018 um 14:45 Uhr.

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