Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AFP

Türkische Währung Lira taumelt nach Erdogans Aussagen

Stand: 12.07.2018 16:32 Uhr

Sorgen um die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank lassen die Währung Lira erneut taumeln. Anlass sind Aussagen von Präsident Erdogan. Er hatte sich per Dekret mehr Macht über die Zentralbank verschafft.

Die türkische Währung Lira ist auf ein neues Tief gefallen. Ein Dollar entsprach am Vormittag 4,83 Lira. Seit Jahresbeginn wertete die Lira rund 22 Prozent ab, im vergangenen Jahr etwa 30 Prozent gegenüber dem Dollar.

Händler sehen den Auslöser für die aktuelle Entwicklung in Aussagen von Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Zinsentwicklung. Er hatte sich zu Beginn der Woche per Dekret mehr Macht über die Zentralbank verschafft. Seinen Schwiegersohn Berat Albayrak ernannte er zum Finanzminister.

"Wir haben viele Instrumente. Ich denke, wir werden die Zinsen in nächster Zeit fallen sehen", zitierte die Zeitung "Hurriyet" Erdogan. "Ich bin mir sicher, nicht nur unsere staatlichen Banken, sondern auch unsere privaten Banken werden Verantwortung übernehmen, falls notwendig."

Priorität: Kampf gegen die Inflation

Finanzminister Albayrak versicherte, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank nicht in Frage stehe. Die Institution entscheide unabhängig. Grundlegende Priorität habe der Kampf gegen die Inflation.

Die Zentralbank versuchte, mit Zinserhöhungen die Lira zu stabilisieren und die hohe Inflation einzudämmen. Doch Erdogan drängt die Zentralbank immer wieder, die Leitzinsen nicht zu erhöhen, weil in der Folge das Wirtschaftswachstum nachlassen könnte.

Erdogan war am 24. Juni als Staatschef wiedergewählt worden. Mit dem von ihm entwickelten Präsidialsystem verfügt er über mehr Macht als seine Vorgänger. Der Präsident ist demnach zugleich Regierungschef und hat die gesamte Exekutivgewalt inne.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 Profit am 17. April 2018 um 18:05 Uhr.

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