Ein Mann sitzt am Istanbuler Flughafen vor einer türkischen Flagge

Spannungen mit der Türkei 100 Deutschen die Einreise verweigert

Stand: 13.04.2017 13:59 Uhr

Zahlreichen Deutschen ist in den vergangenen Monaten die Einreise in die Türkei verwehrt worden. Das bestätigte das Auswärtige Amt. Die Türkei sieht die Deutschen offenbar als Sicherheitsrisiko.

Von Georg Heil, Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR

Rund 100 deutschen Staatsbürgern ist seit Beginn des Jahres die Einreise in die Türkei oder die Weiterreise über einen türkischen Flughafen verweigert worden. In vielen dieser Fälle sei den betroffenen Personen nach Informationen der Bundesregierung zudem zeitweise das Mobiltelefon abgenommen worden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die schriftliche Frage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu hervor.

Nach WDR-Informationen sieht die Türkei durch die Deutschen die "öffentliche Sicherheit" gefährdet. So vermerkten es die Behörden in den Dokumenten von vier Deutschen, denen die Weiterreise in den Irak an einem Istanbuler Flughafen verboten wurde. Die Gruppe sollte im Auftrag einer humanitären Organisation im irakisch-türkischen Grenzgebiet den Bau eines Krankenhauses vorantreiben.

Passwort für Mobiltelefon musste herausgegeben werden

Auch weitere mit dem WDR in Kontakt stehende Deutsche berichteten, dass sie ohne Angabe von Gründen an der Einreise in die Türkei gehindert worden seien. Anderen Medienberichten zufolge seien kurzfristig in Gewahrsam genommene Deutsche auch dazu genötigt worden, den Behörden das Passwort für ihr Mobiltelefon mitzuteilen. Das Auswärtige Amt wollte den Sachverhalt auf Anfrage nicht kommentieren. Auch die Frage nach dem Hintergrund der betroffenen Personen blieb unbeantwortet. Vergleichszahlen aus 2016 nannte das Ministerium nicht, auch die Frage nach dem Hintergrund der betroffenen Personen blieb unbeantwortet.

"Wir haben das Thema auf dem Schirm und kümmern uns darum.", kommentierte ein Sprecher des Ministeriums die Thematik Ende März. Allerdings handele es dabei um Dinge, die in der aktuellen Situation angesichts vieler Streitfragen zwischen Deutschland und der Türkei schwierig zu besprechen seien.

"Tatenlosigkeit der Bundesregierung ist unverständlich"

Zudem hat das Auswärtige Amt mittlerweile seine Reise- und Sicherheitshinweise geändert. So heißt es auf der Internetseite des Ministeriums: "Seit Anfang Februar 2017 wurde in einzelnen Fällen deutschen Staatsangehörigen an den beiden Istanbuler Flughäfen die Einreise in die Türkei ohne Angabe genauer Gründe verweigert. Die betroffenen Personen mussten nach einer Wartezeit in Gewahrsam von mehreren Stunden ihre Rückreise nach Deutschland antreten." Die Bundesregierung müsse handeln und genau prüfen, weshalb ihren Staatsbürgern die Einreise verweigert werde, fordert der Grünen-Abgeordnete Mutlu. "Die Tatenlosigkeit der Bundesregierung ist unverständlich."

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu | Bildquelle: dpa
galerie

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Mutlu kritisiert die Bundesregierung.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei gelten seit Monaten als angespannt. Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall des inhaftierten "Welt-"Korrespondenten Deniz Yücel. Trotz öffentlicher Forderungen deutscher Spitzenpolitiker befindet sich der Journalist weiterhin in Untersuchungshaft, auch eine regelmäßige konsularische Betreuung durch deutsche Diplomaten ist bislang nicht gestattet worden.

Zudem befinden sich weiterhin mehrere deutsche Staatsbürger in der Türkei, die nach dem Putschversuch im vergangenen Juli festgenommen wurden. Sie sind nicht mehr inhaftiert, dürfen jedoch nicht aus dem Land ausreisen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. März 2017 um 06:12 Uhr

Darstellung: