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Folgen des Putschversuchs Mehr türkische Diplomaten bitten um Asyl

Stand: 23.02.2017 20:37 Uhr

Seit dem Putschversuch in der Türkei beantragen immer mehr türkische Diplomaten Asyl in Deutschland. In sechs Monaten gingen 136 Anträge ein, wie Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" ergaben.

Von Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR

136 Personen mit türkischen Diplomatenpässen haben im Zeitraum von August 2016 bis Januar 2017 Asyl in Deutschland beantragt. Das bestätigte das Bundesinnenministerium auf Anfrage von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung". Darunter sollen auch Familienangehörige türkischer Diplomaten sein. Wie viele der Antragsteller türkische Soldaten sind, wollte das Ministerium nicht kommentieren. Auch eine Aufschlüsselung nach Bundesländern könne nicht vorgenommen werden.

Zuletzt hatte das Berliner Ministerium im November 2016 schriftlich von 53 Asylanträgen gesprochen, die von Personen mit türkischen Diplomatenpässen gestellt worden seien. Generell würden Berufsgruppen in der Asylstatistik nicht erfasst - auch deshalb wurden in der Vergangenheit Fragen zur Zahl der Asylanträge türkischer Soldaten nicht beantwortet.

Ja zum Asyl wäre außenpolitisch heikel

Offenbar hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch in keinem der Fälle entschieden. Die Asylgesuche gelten als außenpolitisch heikel, da eine Anerkennung das ohnehin belastete Verhältnis zur Türkei noch weiter verschlechtern könnte. Ende Januar hatte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik gefordert, dass Deutschland alle Asylanträge türkischer Offiziere ablehnen soll. Vorangegangen waren Berichte von "Report Mainz" und dem "Spiegel", die die Zahl von Asylanträgen türkischer Soldaten auf etwa 40 geschätzt hatten. Auch Soldaten, die auf NATO-Basen stationiert sind, besitzen in der Regel einen Diplomatenpass.

Viele der Antragsteller werden von der türkischen Regierung offenbar verdächtigt, Anhänger der Putschisten zu sein. In der Folge des bewaffneten Umsturzversuchs am 15. Juli 2016 verloren bislang mindestens 100.000 Menschen in der Türkei ihre Arbeit, Zehntausende wurden inhaftiert. Auch Tausende Soldaten wurden festgenommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2017 um 20:00 Uhr.

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