Deutsche Botschaft in Ankara (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Spannungen mit Ankara Türkei bestellt erneut Botschafter ein

Stand: 18.09.2017 20:02 Uhr

Erst am Wochenende hatte die türkische Regierung dem deutschen Botschafter eine Protestnote überreicht - nun hat sie den Diplomaten erneut einbestellt. Offenbar geht es um einen längst überwunden geglaubten Streitpunkt.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen hat das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter Martin Erdmann einbestellt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte das Gespräch, sagte aber nicht, was der Grund für die Einbestellung ist.

Nach Informationen des ARD-Studios in Istanbul soll es um den Völkermord an den Armeniern gehen. Im Juni 2016 hatte der Bundestag per Resolution beschlossen, die Gräuel an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren als "Völkermord" einzustufen. Ankara zog deswegen zeitweise den Botschafter aus Berlin ab. Mit der Erklärung, die Resolution sei nicht rechtsverbindlich, entschärfte die Bundesregierung den Streit später. Seitdem spielte die Bundestags-Resolution in dem schwer angeschlagenen deutsch-türkischen Verhältnis aber eigentlich keine größere Rolle mehr.

17. Einbestellung

Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann | Bildquelle: dpa
galerie

Erdmann wurde bereits zum 17. Mal einbestellt.

Erdmann wurde bereits zum 17. Mal in seiner gut zweijährigen Amtszeit als Botschafter einbestellt. Der Außenministeriumssprecher sagte, dass das unter NATO-Partnern eher unüblich sei. Insofern werfe dieses Vorgehen des türkischen Außenministeriums ein "ganz bemerkenswertes Schlaglicht auf den Zustand der deutsch-türkischen Beziehungen".

Auch das Auswärtige Amt bestellte den türkischen Botschafter in den vergangenen zwei Jahren mehrfach ein - zuletzt nach der Verhaftung des Menschenrechtlers Peter Steudtner in der Türkei.

Empörung über Öcalan-Bildnisse

Erdmann war zuletzt am Samstagnachmittag ins Außenministerium in Ankara zitiert worden. Dabei protestierte die türkische Regierung gegen ein kurdisches Kulturfestival in Köln. Daran nahmen nach Polizeischätzung rund 14.000 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen von mehr als 40.000 Teilnehmern. Die halbe Rückwand der Bühne war von einem Foto des in der Türkei inhaftierten Chefs der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, bedeckt. Zahlreiche Demonstranten trugen Fahnen mit seinem Konterfei. Die PKK ist in Deutschland und in der EU seit Jahrzehnten als Terrororganisation verboten. Seit kurzem ist zudem das öffentliche Zeigen von Öcalan-Porträts untersagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2017 um 14:00 Uhr.

Darstellung: