Cavusoglu | Bildquelle: dpa

Mutmaßlicher Putschist Türkei will Auslieferung von Adil Ö.

Stand: 16.08.2017 14:28 Uhr

Die Türkei hält ihn für eine zentrale Figur beim gescheiterten Putschversuch vom vergangenen Jahr. Da sich Adil Ö. angeblich in Deutschland aufhält, verlangt Außenminister Cavusoglu nun Aufklärung über den Aufenthalt Ö.s - und gegebenenfalls seine Auslieferung.

Die Türkei fordert von Deutschland die Auslieferung eines Theologen, der in den Putsch vom Juli 2016 maßgeblich verwickelt sein soll. Die türkische Regierung habe eine Note an die Bundesregierung geschickt, in der die Auslieferung von Adil Ö. gefordert werde, teilte Außenminister Mevlut Cavusoglu mit.

Die Beschreibung über die Rolle Ö.s beim Putsch gehen in den Nachrichtenagenturen auseinander. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, Ö. solle der "Imam" des türkischen Luftwaffenpersonals gewesen, das vergangenes Jahr das türkische Parlament bombardiert habe. Bei AFP heißt es, der "Theologiedozent" solle der oberste Verantwortliche der Gülen-Bewegung in der türkischen Luftwaffe gewesen sein und in der Putschnacht auf dem Stützpunkt Akinci in Ankara den Umsturzversuch koordiniert haben. Hier wird Ö. auch als "mutmaßlicher Putschistenführer" bezeichnet.

Verhaftet, freigelassen, untergetaucht

Nach Angaben der türkischen Behörden wurde Ö. im Juli 2016 kurz nach dem Putschversuch in der Nähe der Luftwaffenbasis verhaftet. Zwei Tage später hätten ihn die Richter aber wieder auf freien Fuß gesetzt, seither sei er auf der Flucht.

Türkische Medien berichteten, dass Ö. in Frankfurt am Main und Ulm gesehen worden sei und eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung in Baden-Württemberg erhalten habe. Dort soll er auch Asyl beantragt haben. Die Nachrichtenseite "Daily Sabah" schreibt, Ö. habe schon vor dem Putschversuch seine Frau und Kinder in die USA gebracht.

Eine unmissverständliche Aufforderung

Laut Cavusoglu beauftragte die türkische Regierung nun die Bundesregierung, die Berichte über den Aufenthaltsort Ö.s zu prüfen. Sollte bestätigt werden, dass Ö. tatsächlich in Deutschland ist, müsse er umgehend festgenommen und ausgeliefert werden. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass die Note am 12. August eingegangen ist. Man werde dem türkischen Wunsch "auf der Grundlage von Recht und Gesetz" nachgehen, sagte ein Sprecher. Zur Frage, ob sich Ö. tatsächlich in Deutschland aufhalte, sagte er: "Ich weiß das nicht."

In einem Mammutprozess in der Hauptstadt Ankara gegen rund 500 Angeklagte wird Ö. zurzeit in Abwesenheit der Prozess gemacht.

Mehrere Tausend Türken haben seit dem Putschversuch in Deutschland Asyl beantragt, darunter zahlreiche Militärangehörige und Diplomaten. Die Türkei wirft Deutschland vor, Putschisten Zuflucht zu gewähren, und fordert ihre Auslieferung. Berlin verweist jedoch darauf, dass allein die Asylbehörden über die Gesuche entscheiden. Dieser Streit belastet neben anderen Konfliktpunkten seit Monaten die Beziehungen.

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Ein Jahr nach dem Militärputsch in der Türkei

Türkei Putsch

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 putschten Teile des Militärs in der Türkei gegen die Regierung Erdogan. Das Militär verhängte das Kriegsrecht und eine Ausgangssperre für das ganze Land. Um die Kontrolle über Istanbul zu erlangen, sperrten die Putschisten unter anderem die beiden Bosporus-Brücken ab. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. August 2017 um 16:45 Uhr.

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