Spezialeinheiten untersuchen den Tatort in Salisbury | Bildquelle: dpa

Tschechien zu Nowitschok Experimente nur für die Forschung

Stand: 04.05.2018 17:55 Uhr

Die tschechische Regierung hat die Experimente mit Nowitschok bestätigt, jedoch eine klare Abgrenzung zum Fall Skripal gezogen: Ein anderer Typ des Nervengifts sei hergestellt worden und das nur für Forschungszwecke.

Nach dem tschechischen Staatspräsidenten Milos Zeman hat auch die Regierung des Landes Experimente mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe eingeräumt. Ein Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter im englischen Salisbury Anfang März bestehe jedoch nicht.

Anderer Typ des Nervengifts

Laut dem tschechischen Außenministerium wurden chemische Kampfstoffe hergestellt, um sie bei Spektralanalysen einzusetzen. Auch Sarin und Nowitschok seien im Reagenzglas produziert worden, allerdings nur einige Mikrogramm. Es habe sich auch nicht um den Nowitschok-Typ A234 gehandelt, mit dem Skripal attackiert worden sein soll, sondern um den Typ A230. Das Nervengift sei nach den Spektralanalysen den Bestimmungen gemäß vernichtet worden. "Die Möglichkeit eines Lecks ist gleich Null", heißt es in einer Erklärung des Ministeriums.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Verschweigen wäre "Heuchelei"

Zuvor hatte Staatspräsident Zeman in einem Fernsehinterview über die Nowitschok-Experimente berichtet und sich auf den tschechischen Militärnachrichtendienst MZ berufen. Das Experiment habe im November in einem militärischen Forschungsinstitut in Brünn stattgefunden, der zweitgrößten Stadt des Landes. "Wir wissen wo, wir wissen wann, also wäre es Heuchelei, so zu tun, als ob nichts geschehen wäre", sagte Zeman.

Tschechiens Präsident Milos Zeman spricht bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: dpa
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Tschechiens Präsident Zeman berichtete von Experimenten seines Landes im November 2017.

Russland sieht sich bestätigt

Der Kreml sieht sich durch die Experimente in Tschechien in seiner Haltung bestätigt, dass das Nervengift, durch welches Skripal schwere gesundheitliche Schäden erlitt, nicht aus Russland stamme. Es hätte in mehreren Ländern hergestellt werden können, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Großbritannien macht Moskau für den Anschlag verantwortlich. Auch der tschechische geschäftsführende Ministerpräsident Andrej Babis hatte mehrfach die Möglichkeit ausgeschlossen, der Kampfstoff könne aus seinem Land stammen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Mai 2018 um 13:31 Uhr.

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