Trumps Fernsehshow "The Apprentice" startete 2004 - und hat bislang 15 Staffeln (Bild aus dem Premierenjahr). | Bildquelle: AP

Personalchaos im Weißen Haus Regieren als Reality-TV-Show

Stand: 08.03.2018 04:39 Uhr

Noch nie sind einem US-Präsidenten innerhalb eines Jahres so viele Mitarbeiter abhanden gekommen wie Donald Trump. Er selbst sieht es als Zeichen "großartiger Energie", andere sind besorgt.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Der Rücktritt von Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn kam nicht überraschend. Wochenlang hatte der frühere Wall-Street-Banker den Präsidenten davor gewarnt, Strafzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen. Doch als Trump seine Pläne im Kreis von Stahl-Managern verkündete, war Cohn nicht einmal einbezogen.

Cohn ist bereits der 19. aus Trumps ursprünglicher Regierungsmannschaft, der vorzeitig geht - und das in nur 13 Monaten. Damit habe Trump innerhalb eines Jahres mehr als 40 Prozent seiner engsten Mitarbeiter verloren, hat die Denkfabrik Brookings berechnet. Bei Reagan waren es im gleichen Zeitraum 17 Prozent, bei Obama nur 9 Prozent. Doch statt Chaos und Intrigen im Weißen Haus sieht Donald Trump "nur großartige Energie".

"Ich mag Konflikte. Ich habe gerne zwei Leute mit unterschiedlichen Ansichten. Und am Ende treffe ich die Entscheidung. Das ist die beste Vorgehensweise. Ich mag unterschiedliche Ansichten", so der Präsident.

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Trumps Personalkarussell

David Shulkin spricht bei einer Kongressanhörung zum Budget seiner Behörde.

Veteranenminister David Shulkin wurde entlassen, nachdem eine interne Untersuchung eine teure Europareise beanstandet hatte. | Bildquelle: AP

"Sie sind gefeuert"

Ein Management-Stil, den Donald Trump jahrelang erfolgreich im Reality-TV praktiziert hat. In der Erfolgsserie "The Apprentice" - zu Deutsch "der Lehrling" - spielte Trump den Unternehmenschef, der die jungen Mitarbeiter gegeneinander ausspielt und um seine Gunst kämpfen lässt.

Gerne ließ Trump die Kandidaten lange Zeit im Unklaren, ob sie eine Anstellung im Unternehmen bekommen oder nicht. Am Ende war es Trump, der als Boss den Daumen hebt oder senkt - Letzteres mit dem berühmten Spruch: "Sie sind gefeuert!"

Kein Wunder, dass in Washington viele Parallelen zwischen der Reality-TV-Show und den Vorgängen im Weißen Haus gezogen werden. Während Trump im ersten Halbjahr tatsächlich viele Mitarbeiter feuerte, traten zuletzt wichtige Berater von sich aus zurück. Das Arbeitsklima unter Trump sei so schlecht, heißt es im Umfeld des Weißen Hauses, dass sie geradezu geflohen seien.

Vor allem die Rücktritte von Kommunikationschefin Hope Hicks und Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn hätten das Weiße Haus erschüttert, galten sie doch als stabilisierende Faktoren im West Wing. Das Magazin "Politico" zitierte einen Mitarbeiter des Weißen Hauses: "Die Zahl der schlechten Ideen im Weißen Haus, die Gary Cohn abräumte, ist zu groß, um sie zu zählen". Ohne Gary Cohn drohe ein "Desaster". Zumal keine zugkräftigen Namen für die Nachfolge parat stehen. Im Gegenteil: es werde immer schwieriger, noch fähige Leute zu finden, die bereit sind für Trump zu arbeiten.

Amtsmüdes Spitzenpersonal

Dem widersprach Trump entschieden:"Glauben Sie mir: Jeder will im Weißen Haus arbeiten! Sie wollen alle ein Stück vom Oval Office, ein Stück vom West Wing. Egal um welche Position im Weißen Haus es geht, ich kann immer unter den besten zehn Leute auswählen."

Doch nicht Neubesetzungen stehen an, sondern weitere Rücktritte: Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster will aufhören. Auch Stabschef John Kelly gilt als amtsmüde. Dabei sind viele Positionen noch immer unbesetzt.

Trumps mangelnde Loyalität ist ein Grund, der mögliche Kandidaten abschreckt. Noch gravierender wirken sich jedoch die Russland-Ermittlungen aus. Mitarbeiter im Weißen Haus müssen sich auf rechtliche Schwierigkeiten und hohe Anwaltskosten einstellen.

Mit ungewohnter Selbstironie zog Trump am Wochenende Parallelen zwischen seinem früheren Job im Reality-Fernsehen und seiner jetzigen Aufgabe im Weißen Haus. In einem Job habe er Charaktere gemanagt, die jede Woche Angst hatten, gefeuert zu werden. Im anderen Job sei er - Zitat: "Gastgeber eines riesigen Fernseh-Hits". Inklusive Cliffhanger und dramatischer Wendungen. Nur eines ist sicher: Fortsetzung folgt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 07. März 2018 um 05:38 Uhr.

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