Pressekonferenz von Donald Trump | Bildquelle: AP

Feiern zur Amtseinführung Donald sucht den Superstar

Stand: 18.01.2017 17:02 Uhr

Feiern mit Trump? No way. Die Liste der Absagen für die Vereidigung des nächsten US-Präsidenten ist lang, die Suche nach Stars gerät zur Blamage. Immerhin: Zugesagt haben ein Mormonen-Chor und eine Tanzgruppe. Die Nationalhymne singt ein Casting-Show-Talent.

Wenn Barack Obama eine Party schmeißt, kommen sie alle: die Crème de la Crème der Filmbranche, weltberühmte Popstars, Musik-Legenden, Talkmaster, Comedians, Spitzensportler. 2009 holte der damalige Hoffnungsträger die Schauspieler Forest Whitaker, Denzel Washington, Tom Hanks und Samuel L. Jackson auf die Bühne. Und mit Auftritten von Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, U2, John Legend und Beyoncé zeigte er, dass die von Millionen verfolgte Zeremonie in Washington feierlich und eine Party zugleich sein kann.

Die US-amerikanische Sängerin Beyonce tritt am 18.01.2009 bei der Vereidigung von US-Präsident Barack Obama in Washington (USA) auf. | Bildquelle: dpa
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Die US-amerikanische Sängerin Beyonce tritt am 18.01.2009 bei der Vereidigung von US-Präsident Barack Obama in Washington (USA) auf.

Jeniffer Hudson, Barack Obama Michelle Obama
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Zwei Bälle besuchten Michelle und Barack Obama am Abend der Amsteinführung 2013. Jeniffer Hudson sang: "Let's stay together".

Elton John, Andrea Bocelli, die Beach Boys winkten ab

Bei Trumps Vereidigung sind wirkliche Stars nicht in Sicht. Kein Wunder, die Gräben zwischen der linksliberal eingestellten US-Kunstwelt und dem Republikaner sind tief. Die peinlichste Absage kam wohl von Elton John: Nachdem ein Mitarbeiter Trumps in einer BBC-Sendung erklärt hatte, dass der britische Sänger auftreten würde, reagierte dessen Sprecher mit einem entschiedenen Dementi. Auch die Beach Boys, die Dixie Chicks, der italienische Tenor Andrea Bocelli und DJ Moby sind nicht für die Feierlichkeiten vor dem Kapitol zu gewinnen.

Die britischen Sängerinnen Charlotte Church und Rebecca Ferguson sagten ebenfalls ab. Church schrieb auf Twitter, sie habe von Trumps Stab eine Anfrage erhalten, ob sie bei der Veranstaltung am 20. Januar singen könnte. "Eine einfache Internetsuche hätte gezeigt, dass ich denke, dass du ein Tyrann bist. Tschüss", fügte sie hinzu.

Charlotte Church @charlottechurch
@realDonaldTrump Your staff have asked me to sing at your inauguration, a simple Internet search would show I think you're a tyrant. Bye��������

Einen Rückzieher machte Broadway-Star Jennifer Holliday. Nach Protesten von schwulen und schwarzen Fans tritt sie nun doch nicht bei einem Konzert zur Amtseinführung Trumps auf. Sie habe nicht in Betracht gezogen, dass ihr Auftritt am Lincoln-Denkmal in Washington als Erklärung der Unterstützung für den gewählten US-Präsidenten Trump angesehen würde, erklärte sie und entschuldigte sich für ein schlechtes Urteilsvermögen.

Und noch eine weitere musikalische Absage muss Trump hinnehmen. Eine Bruce-Springsteen-Coverband wird bei der Party in Washington am Vorabend der Vereidigung nicht teilnehmen. Die Entscheidung sei "ausschließlich aus Respekt und Dankbarkeit für Bruce und die E Street Band" gefallen, sagte Bandleader Willie Forte. Springsteen hatte Trump einen "abscheulichen und schädlichen Narzissten" genannt.

Kapitol vor Amtseinführung Trumps | Bildquelle: AFP
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Vorbereitungen für den großen Tag am Kapitol.

Boykott-Welle angeführt von Bürgerrechtler Lewis

Auch etliche demokratische Kongressabgeordnete wollen die Trump-Vereidigung schwänzen. Zuletzt schlossen sich die Parlamentarier Steve Cohen, Jerrold Nadler und Don Beyer dem Kreis der nunmehr mehr als 30 Kongressmitglieder an, die sich am Freitag nicht blicken lassen wollen. Der Prominenteste unter ihnen: Bürgerrechtslegende John Lewis. Zur Begründung verwies der 76-Jährige auf die mutmaßliche russische Einmischung in den Wahlkampf. Trump sei deshalb "kein legitimer Präsident".

Lewis ist vor allem als Anführer des legendären Protestmarschs in Selma im Südstaat Alabama am 7. März 1965 bekannt. Die Demonstration für das Wahlrecht der Afroamerikaner wurde von der Polizei brutal gestoppt - weshalb das Ereignis als "Bloody Sunday" (Blutiger Sonntag) in die Geschichte einging. Lewis, damals Anführer einer Studentenorganisation, wurde fast zu Tode geprügelt, er erlitt eine Schädelfraktur. In seinen drei Jahrzehnten im Repräsentantenhaus setzte Lewis seinen Kampf für die Rechte der Schwarzen und anderer Minderheiten fort.

John Lewis | Bildquelle: REUTERS
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"Trump ist kein legitimer Präsident", sagt John Lewis - und bleibt zu Hause.

Die angekündigten Boykotte der Abgeordneten markieren einen Bruch mit der politischen Tradition. Die Republikaner nahmen an den zwei Vereidigungen Obamas teil.

Die meisten Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus, die obersten Richter und das diplomatische Korps haben ihr Kommen zur diesjährigen Vereidigungszeremonie für den 45. Präsidenten der USA hingegen zugesagt. Auch der scheidende Amtsinhaber Barack Obama, die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit ihrem Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, sowie die Ex-Präsidenten George W. Bush und Jimmy Carter werden teilnehmen.

Mormonen-Chor kommt, aber nicht vollzählig

Auch ein musikalisches Rahmenprogramm wird es geben - mit B-Stars. Beim Willkommenskonzert für Trump am Lincoln Memorial am Donnerstagabend treten die Country-Sänger Toby Keith und Lee Greenwood auf, bei der Vereidigungszeremonie am Freitag ein Mormonenchor, der Mormon Tabernacle Choir - ein 360 Männer und Frauen zählender religiöser Chor aus Utah. Mindestens ein Mitglied trat aus Protest gegen den Trump-Auftritts bislang aus. "Ich könnte nie wieder in den Spiegel schauen", erklärte Jan Chamberlin, die fünf Jahre in dem Chor gesungen hatte. "Ich könnte ganz bestimmt niemals für ihn singen." Ihr sei klar, dass der Chor sich um politische Neutralität bemühe, "aber ich weiß auch, dass es von außen so wirken wird, als ob der Chor Tyrannei und Faschismus unterstützt, indem er für diesen Mann singt."

Jackie Evancho singt die Nationalhymne bei Trumps Amtseinführung | Bildquelle: AP
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Nachwuchstalent Jackie Evancho singt die Nationalhymne.

Die 16-jährige Jackie Evancho singt die Nationalhymne. Sie hatte bei der Casting-Show "America's Got Talent" 2010 den zweiten Platz geholt. An der auf die Vereidigung folgenden Parade über die Pennsylvania Avenue zum Weißen Haus nimmt dann die bekannte Tanztruppe "The Radio City Rockettes" aus New York teil - allerdings wohl nicht vollständig, weil das Management den Tänzerinnen die Teilnahme freigestellt hat. Mehrere Mitglieder der Gruppe hatten Bedenken gegen den Auftritt angemeldet.

Party mit Störgeräuschen

Auch Militär- und High-School-Bands sowie Gruppen von Pfadfindern aus allen Teilen der USA werden an der Parade teilnehmen. Insgesamt sollen es 8000 Menschen sein, teilte das Vereidigungskomitee mit. Die Tradition der Parade besteht bereits seit 1801, als Thomas Jefferson ins Amt des US-Präsidenten eingeführt wurde. Die 2,4 Kilometer lange Strecke vom Kapitol zum Weißen Haus wird auch von der Luftwaffe begleitet, die über ihre jeweiligen Einheiten innerhalb der Parade fliegt.

In jedem Fall dürfte es eine Party mit Störgeräuschen werden. Die Sicherheitsbehörden erwarten, dass 700.000 bis 900.000 Menschen in Washington zusammenkommen werden. Ein Großteil davon werden Anti-Trump-Demonstranten sein. Rund hundert Gruppen planen Proteste.

Zeitplan zur Amtseinführung Trumps

Donnerstag
Die offiziellen Feierlichkeiten beginnen bereits am Donnerstag. Donald Trump und der künftige Vizepräsident Mike Pence ehren mit einer Kranzniederlegung auf dem Arlington-Friedhof die gefallenen Soldaten. Danach gibt es ein "Willkommenskonzert" für Trump am Lincoln Memorial, dem Monument für den früheren Präsidenten Abraham Lincoln. Dabei will der künftige Präsident das Wort ergreifen.
Freitag
6.30 Uhr (12.30 Uhr MEZ): Am Kapitol beginnen die Sicherheitsüberprüfungen.
7.00 Uhr (13.00 Uhr): Auf einem Platz direkt an der Route der Parade wollen sich erste Demonstranten sammeln. Die Protestaktion ist genehmigt und soll mehrere Stunden dauern.
8.00 Uhr (14.00 Uhr): Weitere Demonstranten treffen sich, um zur Mall zu ziehen. Die Gruppe DCJM, die den Konsum von Marihuana befürwortet, hat angekündigt, 4200 Joints zu verteilen. Ihre Proteste sind nicht genehmigt.
Noch ohne Uhrzeit: Donald Trump besucht am Morgen einen Gottesdienst. Barack Obama und seine Frau Michelle empfangen den Republikaner und die künftige First Lady Melania im Weißen Haus. Anschließend begleitet der scheidende Präsident seinen Amtsnachfolger zum Kapitol.
11.30 Uhr (17.30 Uhr): Eröffnungsrede am Kapitol. Anschließend wird Trumps Vize Mike Pence ins Amt eingeschworen.
12.00 Uhr (18.00 Uhr): Donald Trump legt auf den Stufen des Kapitols den Amtseid ab. Anschließend wird er seine mit Spannung erwartete Rede halten. Dann isst er im Kapitol zu Mittag, bevor die Parade zum Weißen Haus beginnt. Eine Gruppe von Demonstranten hat angekündigt, den Zug zu stören. Ihre Proteste sind nicht genehmigt.
Noch ohne Uhrzeiten: Am Abend werden Trump und seine Frau Melania an drei Bällen teilnehmen.

Amtseinführung in Moll: Musik-Stars kehren Trump den Rücken
J. Bösche, ARD Washington
18.01.2017 14:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Januar 2017 um 11:55 Uhr

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