Gebäude der "New York Times" in New York | Bildquelle: AFP

US-Präsident Trumps Krieg gegen die Medien

Stand: 10.02.2017 17:55 Uhr

Fast täglich zieht US-Präsident Trump über die Medien her. Beliebtes Opfer: die "New York Times". Die renommierte Zeitung und andere Medienhäuser reagieren auf die unbegründeten Vorwürfe - und bauen ihre Rechercheressorts aus.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Abschaum. Schreckliche Leute. Versager." Wenn Präsident Donald Trump gar nicht mehr aufhört mit seinen Beleidigungen, geht es häufig um die Presse. Sehr häufig um eines der Flaggschiffe des amerikanischen Journalismus: die "New York Times".

In der Redaktion dort hören sie den Wutausbrüchen des Präsidenten über die Zeitung inzwischen fast gelassen belustigt zu: "Unsere Auflage steigt. Jedes Mal, wenn er tobt, geht unsere Auflage hoch. Gut fürs Geschäft. Eigentlich hilft er uns unfreiwillig", sagt Jim Rutenberg. Er ist Kolumnist der "New York Times", die laut Trump-Realität Auflage verliert und in drei Jahren pleite ist. Rutenberg nennt die Fakten: Allzeithoch im vierten Quartal. Über drei Millionen Auflage. Tendenz steigend.

"Wir Journalisten sind jetzt der Gegenspieler"

Trump brauche offenbar einen Gegner, sagt der Journalist. Und seit Hillary Clinton weg ist, ist es die Presse: "Er hat die Presse zu einem einzigen Gegner gemacht. Jetzt sind wir, die Journalisten, plötzlich für ihn und seine Anhänger der Gegenspieler."

Und die US-Medien reagieren auf ihre Art. Die "New York Times" nimmt fünf Millionen Dollar in die Hand, baut in Washington einen Investigativpool auf. Gleiches passiert bei der "Washington Post". Nahezu täglich gibt es jetzt Faktenchecks auf den Sendern und in den Zeitungen.

Die Nachrichtenagentur AP veröffentlicht regelmäßig unter der Überschrift "Der Blödsinn der Woche" alle Unwahrheiten der Trump-Administration, die ja neuerdings auf alternative Fakten zurückgreift. "Alternative Fakten" - die Wortschöpfung stammt von Kellyanne Conway, Trumps Beraterin. Gerade erst erfand sie einen Terroranschlag, der Regierungssprecher ebenfalls.

Kellyanne Conway | Bildquelle: dpa
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Trump-Beraterin Conway steht unter anderem wegen ihrer Wortschöpfung "alternative Fakten" in der Kritik.

Faktenchecks lenken auch ab

Der Journalistik-Professor der Columbia-Universität, Todd Gitlin, sagt, Faktencheck sei notwendig, habe aber auch Folgen: "Ein Reporter, der all den Müll und Blödsinn von Trump auf den Wahrheitsgehalt überprüft, ist ein Reporter weniger, der über die Vorgänge im Regierungsapparat berichten kann."

Motto: Trump produziert so viel Blödsinn, dass die Reporter gar nicht hinterherkommen: Die "New York Times" erhöhte die Zahl der Korrespondenten im Weißen Haus von vier auf sechs. CNN baut unter Beratung der Watergate-Legende Carl Bernstein gerade einen Investigativ-Pool auf.

Stichwort Watergate. Richard Nixon, der von Journalisten zu Fall gebrachte Präsident war es, der einst über die New York Times sagte: Einige lesen sie, weil sie sie mögen. Einige lesen sie, obwohl sie sie hassen. Aber alle lesen sie.

Trump sagt das anders: "Die 'New York Times' nenne ich nur noch die 'versagende New York Times', weil sie gerade dabei ist zu scheitern. Sie verliert ein Vermögen und wird wahrscheinlich in drei Jahren pleite sein. Aber diese Zeitung, die versagt so grandios. Sie schreiben so viele schlechte Geschichten über mich." Trump und sein Hass auf die "New York Times" und alle Medien - das Duell hat gerade erst begonnen.

Das Duell - US-Medien gegen Trumps Propaganda-Maschine
G. Schwarte, ARD New York
10.02.2017 21:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Februar 2017 um 06:45 Uhr

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