Twitter-Account von US-Präsident Trump

Trump kritisiert Verbündete Rundumschlag per Twitter

Stand: 11.06.2018 11:56 Uhr

US-Präsident Trump hat nach seinem Eklat im Anschluss an den G7-Gipfel verbal nachgelegt - wieder einmal per Twitter. In einer Reihe wütender Tweets attackierte er von Singapur aus auch Deutschland.

US-Präsident Donald Trump hat Deutschland und andere NATO-Verbündete erneut scharf angegriffen. In einer Serie wütender Tweets kritisierte er die Staaten wegen ihrer Handelsüberschüsse und geringer Verteidigungsgaben. Trump forderte die EU-Länder auf, "viel mehr" für ihr Militär auszugeben. Die USA trügen fast die gesamten Kosten der NATO und schützten damit auch Länder, "die uns im Handel abzocken".

"Sie zahlen nur einen Bruchteil der Kosten - und lachen!", twitterte Trump von Singapur aus. Er kritisierte auch Deutschland direkt: "Deutschland zahlt (langsam) ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die NATO, während wir vier Prozent eines viel größeren Bruttoinlandsproduktes zahlen. Glaubt irgendjemand, dass das Sinn ergibt?"

"Beim Handel unfair geschröpft"

Der US-Präsident schrieb an seine fast 53 Millionen Follower: "Wir beschützen Europa (was gut ist) mit großen finanziellen Verlusten, und dann werden wir beim Handel unfair geschröpft." In einem weiteren Tweet fragte er: "Warum sollte ich, als Präsident der Vereinigten Staaten, Ländern weiter erlauben, massive Handelsüberschüsse zu machen, so wie sie es seit Jahren getan haben, während unsere Landwirte, Arbeiter & Steuerzahler einen so großen und unfairen Preis zahlen müssen?"

Die Europäische Union habe einen Handelsüberschuss von 151 Milliarden Dollar und solle weit mehr fürs Militär ausgeben, forderte Trump. Kanada verbuche einen Überschuss von fast 100 Milliarden Dollar und nehme Aufschläge auf US-Molkereiprodukte. Und dann reagiere der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau verletzt, wenn er zur Verantwortung gerufen werde, kritisierte Trump. Zahlen, auf die er sich in seinen Tweets beruft, haben sich in der Vergangenheit schon öfter als falsch oder irreführend herausgestellt.

Wieder einmal: America First

Zuletzt schrieb der US-Präsident: "Entschuldigung, wir können nicht zulassen, dass unsere Freunde oder Feinde uns weiter beim Handel ausnutzen. Wir müssen den amerikanischen Arbeiter an die erste Stelle setzen!"

Trump hatte am Wochenende für einen Eklat gesorgt, als er über Twitter der zuvor mühsam ausgehandelten Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen der G7-Staaten in Kanada seine Unterstützung entzog. Er begründete sein Vorgehen damit, dass Kanada weiter Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant.

Für sein Vorgehen wurde Trump scharf kritisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei Anne Will: "Die Rücknahme per Tweet ist natürlich ernüchternd und auch ein Stück deprimierend." Genervt von Twitter sei sie aber nicht, meinte Merkel. SPD-Parteichefin Andrea Nahles bezeichnete Trump als "Chaot".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2018 um 07:16 Uhr.

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