Der Twitter-Account des künftigen US-Präsidenten Donald Trump | Bildquelle: dpa

Kritik an künftigem US-Präsidenten Trumps Twitter-Kleinkrieg

Stand: 09.12.2016 09:56 Uhr

Twitter ist Trumps Sprachrohr, sein persönliches Druckventil. Dort macht der künftige US-Präsident vor allem zwei Sachen: sich selbst loben und austeilen. So unterhaltsam es auch ist - Trump nutzt Twitter ganz gezielt um Themen zu setzen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Donald Trump hat 17 Millionen Follower auf Twitter. Wer seine Tweets nicht direkt liest, bekommt sie spätestens im Fernsehen jeden Tag häppchenweise präsentiert. Dabei zeichnen sich seine Kurznachrichten durch zwei Konstanten aus: Trump lobt sich selbst und er haut um sich, sobald er sich angegriffen fühlt.

Zuletzt hat sich der künftige US-Präsident Chuck Jones vorgenommen. Gewerkschaftschef aus Indiana, der 14.000 Arbeiter vertritt. Trumps Breitseite via Twitter: "Chuck Jones hat seinen Job schlecht gemacht. Kein Wunder, dass Unternehmen das Land verlassen."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Chuck Jones, who is President of United Steelworkers 1999, has done a terrible job representing workers. No wonder companies flee country!

Was hatte Jones getan? Darauf hingewiesen, dass Trump die Zahlen der Arbeitsplätze, die beim Klimaanlagenbauer Carrier gesichert wurden, nach oben geschönt hatte: "Viele unserer Mitglieder haben gedacht, dass sie ihren Job behalten, als er sagte 1100 Jobs sind gerettet. Einen Tag später finden sie dann raus, dass doch 550 ihre Stelle verlieren."

Über sich selbst lachen - nicht Trumps Stärke

Twitter ist Trumps Sprachrohr. Sein persönliches Druckventil. Und man kann leicht feststellen: Trump ist dünnhäutig und über sich selbst zu lachen, ist eine Eigenschaft, die ihm nicht gegeben scheint. In der Comedysendung "Saturday Night Live" spielt Schauspieler Alec Baldwin Trump. Viele können über seine Trump-Darstellung laut lachen: "Kellyanne, ich habe eben den besten Tweet retweetet. Was für ein großartiger, schlauer Tweet!"

Alec Baldwin als Donald Trump in der TV-Sendung "Saturday Night Live" | Bildquelle: AP
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Alec Baldwin (mit Kate McKinnon) als twitternder Donald Trump in der TV-Sendung "Saturday Night Live".

Der echte Trump feuert gleich eine Kriegserklärung via Twitter ab: "Ich habe gerade versucht, Saturday Night Live zu gucken. Unmöglich. Einseitig, nicht lustig und Alec Baldwins Darstellung kann kaum schlechter sein. Traurig."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Just tried watching Saturday Night Live - unwatchable! Totally biased, not funny and the Baldwin impersonation just can't get any worse. Sad

Baldwin twittert trocken zurück: "Ich höre damit auf, wenn sie ihre Steuern veröffentlichen. Ha."

ABFoundation @ABFalecbaldwin
...@realDonaldTrump

Release your tax returns and I'll stop.
Ha

Über Twitter droht Trump in wenigen Zeichen Boeing, den Auftrag für die Air Force One zu kündigen, weil das Projekt zu teuer sei. Daraufhin geht der Aktienkurs des Unternehmens erstmal in den Sinkflug. Fernsehmoderatorin Megyn Kelly: "Was die Leute nicht realisieren - und ich bin mir nicht mal sicher, ob es Trump selbst klar ist: Jeder seiner Tweets, den er gegen jemanden schreibt, tritt eine Lawine an Wut und Drohungen los. Als Präsident muss er verstehen, welche Macht die Tweets haben, die er schreibt."

Große Fragen geraten aufs Abstellgleis

Kelly spricht aus eigener Erfahrung, schließlich hatte sich Trump eine zeitlang im Wahlkampf auf sie eingeschossen. Trump kann mit Kritik an seinen Tweets nichts anfangen: "Ich halte mich zurück und rede über wichtige Dinge."

Twitter ist für Trump ein wichtiges Werkzeug, um Themen zu setzen, über die in den USA gesprochen wird. Es wird diskutiert, welchen Kleinkrieg der künftige US-Präsident gerade wieder auf Twitter führt, während die große Fragen dadurch eher auf das Abstellgleis geraten.

Trump zieht blank-auf Twitter - gewählter Präsident reagiert auf Kritik
M. Buttler, ARD Washington
09.12.2016 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Dezember 2016 um 10:08 Uhr.

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